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Die Niedrigzinspolitik und ihre Folgen

Am 26. Juli 2012 hält Mario Draghi eine Rede, die in die Geschichtsbücher eingehen wird: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird unter Draghis Führung den Euro retten – um jeden Preis.

Rückblick

Die Spätfolgen der weltweiten Banken- und Finanzkrise sind noch längst nicht abgeklungen, da erfasst bereits der nächste Schock die globalen Finanzmärkte. Griechenland steht kurz vor dem finanziellen Kollaps und kann nur durch die Hilfe der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds  (IWF) vor dem Bankrott gerettet werden.

Um die prekäre Situation unter Kontrolle zu bringen und auch den letzten Zweifel an der Stabilität der Europäischen Währungsgemeinschaft beiseite zu räumen, spricht Draghi vor versammelter Weltpresse die berühmt berüchtigten Worte, die auch gut vier Jahre später noch nachhallen: „Whatever it takes!“

Nullzinspolitik

Das Mittel der Wahl eines jeden Zentralbankers ist in der Regel die Senkung des Leitzinses. Damit versucht eine Zentralbank, die Inflation bei der Zielmarke von knapp unter zwei Prozent zu halten und für Preisstabilität zu sorgen. Lag der Leitzins im Jahr 2008 noch bei vier Prozent, folgte seitdem ein Rekordtief nach dem anderen – bis hin zu aktuell null Prozent.

Da die Senkung des Leitzinses längst nicht ausreichte, wurden die Banken außerdem mit Sonderkrediten zu besonders günstigen Konditionen versorgt. Zusätzlich sollte der Ankauf von Bankanleihen die europäische Wirtschaft ankurbeln. Doch die Maßnahmen schienen zu verpuffen.

1.140.000.000.000 Euro

Um also endlich die beabsichtigte Wirkung zu erzielen, wurde ein gigantisches Anleihekaufprogramm gestartet. Die unvorstellbare Summe von 1.140 Milliarden Euro wurde und wird damit in das System gepumpt. In der Hoffnung, dass die Unternehmen das billige Geld in neue Investitionen fließen lassen, dass dadurch neue Arbeitsplätze geschaffen werden und somit der Wirtschaftskreislauf in Schwung kommt.

Doch auch heute ist keine Trendwende in Sicht. Kritiker und Befürworter von Draghis Geldpolitik streiten deshalb darüber, wer die besseren Argumente hat und welche Maßnahmen genau jetzt die richtigen wären, um schließlich doch noch den ersehnten Aufschwung herbeizuführen. Selbst vor unorthodoxen Vorschlägen, wie zum Beispiel „Helikoptergeld“, schreckt manch einer nicht mehr zurück. Getreu dem Motto: „Whatever it takes!“

Derweil reicht dem durchschnittlichen Sparer ein Blick auf seinen Kontoauszug, um zu erahnen, was die folgende Abbildung 1 deutlich vor Augen führt: Der Kapitalmarktzinssatz nähert sich beinahe unausweichlich der Nulllinie. Ende 2015 betrug er gerade einmal noch 0,5 Prozent. Die Zinssätze für kurzfristige Geldanlagen, also zum Beispiel für Gelder, die auf dem Sparbuch oder auf Tagesgeldkonten liegen, kratzen schon heute bedenklich nahe an dieser psychologisch wichtigen Grenze.

 

Negativzins: Realwert des Ersparten schrumpft

Zusammen mit der Inflation bedeutet dies für den Großteil der Bevölkerung, dass der Wert der Ersparnisse stetig schrumpft. Wenn das so bleibt, hieße das im Klartext: Hundert Euro werden in einem Jahr weniger wert sein als hundert Euro heute. Selbst negative Zinsen auf Spareinlagen rücken zunehmend in den Bereich des Möglichen. Wer spart, verliert. Wer Schulden macht, gewinnt.

Diese verkehrte Welt und die Angst vor negativen Zinsen treiben mitunter auch skurrile Blüten: Die Nachfrage nach Bankschließfächern erreicht ungeahnte Höhen. Längst übersteigt in großen Städten die Nachfrage das Angebot, und auch Wartelisten sind keine Seltenheit mehr. Wer kann, der rettet sich beispielsweise in Gold oder Immobilien – Kritiker mahnen bereits vor der nächsten Blase, die zu platzen droht.

Gewinner und Verlierer

Zu den Profiteuren dieser extrem expansiven Geldpolitik gehören die Schuldner, allen voran die vor einem riesigen Schuldenberg stehenden europäischen Staaten. Durch negative Zinsen auf Staatsanleihen konnte auch Deutschland zeitweise mit dem Schuldenmachen Geld verdienen. Während der Schuldenberg in den letzen acht Jahren weiter gewachsen ist, hat sich die Schuldenlast, also die Summe der Zinszahlungen, im gleichen Zeitraum auf rund 21 Milliarden Euro halbiert. Viele andere Ländern profitieren sogar von noch höheren Entlastungen.

Bezahlen müssen dafür die Sparer. Allein den Deutschen entgingen im Jahr 2015 schätzungsweise 70 Milliarden Euro an Zinserträgen. Großanlegern mangelt es meist nicht an Alternativen für Investitionen, wodurch sie den finanziellen Schaden begrenzen können oder von den negativen Auswirkungen ganz und gar unberührt bleiben – Stichwort: Panama. So sind es in erster Linie die Kleinanleger aus der Mitte der Gesellschaft, denen es an passenden Ausweichmöglichkeiten fehlt.

Alternativen für Kleinanleger

Um so wichtiger ist es, dass sich Kapitalanleger mit Alternativen auseinandersetzen, auch wenn diese ein anderes Chance-Risiko-Verhältnis bedeuten. Denn Aktien, Anleihen und Vermögensanlagen haben keine Einlagensicherung, so dass es ein Teil- oder Totalausfallrisiko gibt. Allerdings können hier noch Renditen erzielt werden, die relevant über der Inflationsrate liegen. So hat auch WIWIN es sich zur Aufgabe gemacht, Investitionen, die sonst nur Großinvestoren zugänglich sind, auch Kleinanlegern möglich zu machen, indem viele Kleinanleger gemeinsam in Wind, Solar & Co. investieren. Zu unseren aktuellen Produkten.

Inwiefern Sie als Anleger stärker auf Wertpapiere und andere Kapitalanlagen, die zwar mehr Rendite versprechen, aber auch höhere Risiken bedingen, setzen sollten, ist abhängig von Ihrer individuellen Situation, den Anlagezielen und -horizonten. Anleger sollten sich hier ggf. Rat von Experten suchen.

 

Bildquellen: Fabian Blank und Michael Steinberg