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Digitale Wertpapiere – Teil 2: Blockchain Anwendung in der Praxis

Im letzten Blogbeitrag habe ich probiert, die technischen Grundlagen der Blockchain-Technologie möglichst anschaulich zu erklären. Aufbauend auf diesem eher theoretischen Ansatz möchte ich im Folgenden die praktische Perspektive genauer beleuchten und konkrete Anwendungsbeispiele geben. Zur Veranschaulichung wurden auch hier gewisse Themen vereinfacht dargestellt und nur einige wenige Beispiele beschrieben.

Bitcoin & Co.

Der bei vielen bekannte und häufig als Synonym für die Blockchain-Technologie selbst verwendete Anwendungsfall sind Kryptowährungen. Insbesondere in den letzten Monaten waren dazu regelmäßig Schlagzeilen und neue Allzeithochs zu vernehmen. Der Vorreiter ist hierbei die 2009 ins Leben gerufene Bitcoin-Blockchain. Während Bitcoin als Zahlungsmittel im großen Stil eher ungeeignet ist, hat sich Bitcoin mittlerweile zu einem akzeptierten Anlageprodukt mit liquiden Handelsplätzen entwickelt. Inwiefern sich Kryptowährungen als digitale Alternative zu klassischen Währungen etablieren werden, ist insbesondere mit Blick auf unklare regulatorische Rahmenbedingungen aktuell jedoch schwer abzuschätzen.

Smart Contracts – der Gamechanger für effiziente Transaktionen

Neben Kryptowährungen gibt es jedoch noch eine Vielzahl weiterer Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei so genannte Smart Contracts. Dabei handelt es sich um programmierte Verträge in Form von Wenn-Dann-Beziehungen. Das grundlegende Prinzip beruht auf automatisierten Handlungen und lässt sich anhand eines Getränkeautomaten beschreiben:

Angenommen, es gibt einen Getränkeautomaten, der Apfelschorle für 2 Euro pro Flasche verkauft. Damit eine Person eine Flasche Apfelschorle an dem Automaten kaufen kann, muss sie mindestens 2 Euro an den Automaten bezahlen. Sobald diese Bedingung erfüllt ist, erhält die Person automatisch die Flasche Apfelschorle. Die Funktionsweise beruht also ebenfalls auf einer einfachen Wenn-Dann-Beziehung.

Im Rahmen von Blockchain-Anwendungen werden die Smart Contracts programmiert und dann in einem Block auf der Blockchain gespeichert. Das führt dazu, dass dieser Vertrag nachträglich nicht mehr veränderbar ist. Darüber hinaus wird die Einhaltung der in dem Smart Contract gebündelten Wenn-Dann-Beziehungen vom gesamten Netzwerk kontrolliert. Das hat in der Praxis zur Folge, dass kein Mittelsmann mehr benötigt wird und somit die Transaktionskosten sinken.

Beispiele für Smart Contract Anwendungen

Heutzutage werden Smart Contracts bereits in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt. So nutzt Spotify Smart Contracts für eine schnelle und unkomplizierte Bezahlung der Musiker und Musikerinnen. Mehrere Logistikunternehmen wie DHL oder Maersk nutzen Smart Contracts zur Dokumentation und Verwaltung von Lieferungen. In den USA gibt es sogar erste Beispiele, wie Wahlen mit Hilfe von Smart Contracts und Blockchain-Netzwerken fälschungssicher per Smartphone durchgeführt werden können.

Eine sehr anschauliche Anwendung ist außerdem die Nutzung von Smart Contracts als Treuhänder (jemand, der Rechte oder Sachen für eine andere Person verwaltet).

Angenommen, ein Unternehmen möchte im Rahmen einer Crowdfinanzierung Geld von Privatanlegern einsammeln. Das Unternehmen benötigt dabei mindestens 50.000 Euro, um die geplanten Maßnahmen umsetzen zu können. Die Crowdfinanzierung erfolgt also erst, wenn Privatanleger mindestens 50.000 Euro verbindlich zugesagt haben. Klassischerweise würde man in so einem Fall einen Treuhänder beauftragen das Geld der Privatanleger zu sammeln und erst an das emittierende Unternehmen weiterzuleiten, wenn die Grenze von 50.000 Euro erreicht wurde.

Für diese treuhänderische Tätigkeit fallen Gebühren an und die Crowdfinanzierung verteuert sich somit. Anstatt eines Treuhänders könnte jedoch auch ein Smart Contract genutzt werden. Die entsprechende Wenn-Dann-Beziehung könnte in etwa wie folgt lauten: wenn mindestens 50.000 Euro an den Smart Contract überwiesen wurden und die Widerrufsfrist abgelaufen ist, dann leite das Geld an das emittierende Unternehmen weiter.

Neue Arten der Finanzierung

Neben Smart-Contract-Anwendungen bietet insbesondere die Tokenisierung eine Vielzahl weiterer Anwendungsfälle. Tokenisierung kann vereinfacht gesprochen als digitaler Verbriefungsprozess von Eigentumsrechten an Gütern, Gegenständen oder sonstigen Rechten beschrieben werden. Die Eigentumsrechte werden dabei in gleichgroße Anteile gestückelt. Diese untereinander gleichen Stücke heißen Token. Die Logik ist vergleichbar mit der Verbriefung von Unternehmensanteilen in Form von Aktien. Auch hier wird ein Gut (das Unternehmen) in viele untereinander gleiche Teile unterteilt. In der Praxis gibt es für die Ausgabe von Aktien jedoch große Hürden und somit steht vielen Unternehmen die Finanzierung über die Ausgabe von Aktien nicht zur Verfügung. Diesen eher kleinen Unternehmen kann durch die Ausgabe von Token der Zugang zum Kapitalmarkt deutlich vereinfacht werden.

Schneller, schlanker, einfacher: Handelbarkeit durch Tokenisierung

Tokenisierung beschränkt sich in der Anwendung jedoch nicht nur auf Unternehmensanteile. Es ist genauso möglich Immobilien, Kunstwerke, Oldtimer oder nahezu alle sonstigen Güter, Gegenstände oder Rechte zu tokenisieren. So werden nicht fungible Güter deutlich leichter handelbar. Durch die Stückelung sinken außerdem die Einstiegshürden, so dass beispielsweise Investition in Immobilien für deutlich mehr Menschen möglich werden. Auf der Gegenseite können die ursprünglichen Inhaber der tokenisierten Objekte sehr leicht Teile des Objekts veräußern, um beispielsweise benötigte Liquidität zu erhalten. Insgesamt eröffnet Tokenisierung also Investitionen in eine Vielzahl weiterer Anlageobjekte.

Digitale Wertpapiere bei WIWIN

Bei WIWIN spielt bisher insbesondere die Tokenisierung von Finanzprodukten eine wichtige Rolle. Wir schaffen hiermit eine neue und von den Aufsichtsbehörden anerkannte Art von Wertpapieren: digitale Wertpapiere. Der große Vorteil dieser digitalen Wertpapiere ist, dass für die Abwicklung von Transaktionen auf viele Intermediäre (Zahlstellen, Depotbanken, Clearstream etc.) verzichtet werden kann. Somit können Kosten gesenkt und die Abwicklungsgeschwindigkeit erhöht werden. Für Anlegerinnen und Anleger bei WIWIN vereinfacht sich außerdem die Übertragung und somit die Handelbarkeit der Finanzprodukte.

Die im Jahr 2020 über unsere Plattform durchgeführte Crowdinvesting Kampagne für Tomorrow ist ein sehr gutes Beispiel für die enormen Potentiale der Tokenisierung von Finanzprodukten. Das haben auch unsere Anleger erkannt: Innerhalb weniger Stunden wurden über 3 Millionen Kapital gezeichnet und das Kampagnenziel weit übertroffen. WIWIN-Gründer und Nachhaltigkeitsexperte Matthias Willenbacher erklärt: „Es handelt sich um das erste nachhaltige digitale Wertpapier in Deutschland. Durch den innovativen Einsatz der Blockchain-Technologie werden sogenannte Security Token erzeugt, die den Genussrechten die Eigenschaften von Wertpapieren verleihen und so beispielsweise eine spätere Übertragung und einen Handel vereinfachen.“

WIWIN gewährleistet seinen Anlegern dabei einen sicheren und unkomplizierten Prozess. Transaktionskosten und -zeiten können dank dezentraler Infrastruktur deutlich reduziert werden.

Aktuell arbeiten wir außerdem daran, dass Sie Ihre digitalen Wertpapiere zukünftig direkt über Ihr WIWIN-Kundenportal übertragen können. Die Umstellung auf digitale Wertpapiere ist dabei für unsere Anlegerinnen und Anleger natürlich mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ich hoffe, bis hierher mit der Beitragsserie Digitale Wertpapiere einen guten Überblick über die technischen Hintergründe und die Anwendungszenarien in der Praxis gegeben zu haben und würde gerne von Ihnen wissen:

Gibt es Bereiche, die für Sie noch nicht ausführlich genug behandelt wurden oder zu denen Sie gerne noch mehr lesen möchten? Um Ihnen die Möglichkeit zu geben, gezielt Fragen zu stellen, können wir Ihnen bei Bedarf auch gerne ein Webinar anbieten.

Ich freue mich über Ihre Kommentare und Gedanken.

Herzliche Grüße

Ihr Felix Auspurg
Teamleiter Projekt Management

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