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Fondskongress 2020 in Mannheim: Nachhaltige Fonds: Viel Schein, deutlich weniger Sein…

Unser Fazit zu der Veranstaltung

Am 29. und 30. Januar fand in Mannheim der Fondskongress 2020 statt. Auf diesem Kongress trifft sich die deutsche Finanzbranche, bestehend aus Anlageberatern, Vermögensberatern, Fondsmanagern und Dienstleistern. Wir von WIWIN haben teilgenommen, um uns einen Eindruck über aktuellen Trends im Bereich der fondsbasierten Geldanlage zu verschaffen.

Das Ergebnis möchten wir unseren Anlegern präsentieren, weshalb wir für Sie in diesem Blogbeitrag unsere Eindrücke von der Veranstaltung zusammenfassen.

Den prominenten Auftakt des Kongresses stellte der Eröffnungsvortrag von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder dar. Für all diejenigen, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwelt interessieren, wartete hier leider direkt die erste herbe Enttäuschung. Während in der Anmoderation noch klar darauf hingewiesen wurde, dass der Fondskongress 2020 ganz unter dem Motto ESG, also Investments unter Beachtung der Kriterien „Environmental, Social and Governance“ stehen solle, vertrat der Altkanzler dann eine ganz andere Einstellung. Gerhard Schröder’s persönliche und ausführlich dargelegte Meinung sah dann leider so aus: Divestment-Strategien, also das Abziehen von Kapital aus als klimaschädlich angesehenen Branchen, sehe er kritisch. Die Welt sei noch zu großen Teilen von fossilen Energieträgen abhängig und er persönlich gehe davon aus, dass das auch noch viele Jahrzehnte so bleibe. Also ein Plädoyer für Stillstand und Bewahrung vorhandener Strukturen. Wir erlauben uns an dieser Stelle zu spekulieren, dass sich sein Engagement für Gazprom durchaus auf seine persönliche Meinung auswirken dürfte. Sehr schade, denn der Auftakt bekam somit schon ein gewisses „Geschmäckle“.

Der Gang über die Messe und der Besuch der Stände vieler Fondsanbieter zeigte dann ein klares Bild: Begriffe wie Nachhaltigkeit, Sustainability, Impact und verantwortungsbewusstes Investieren tauchten an sehr vielen Stellen auf den Plakaten und Werbe-Unterlagen auf. Viele Firmen stellten sich also so dar, als wären sie voll auf den Nachhaltigkeits-Trend aufgesprungen und hätten den Ernst der Lage, wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun und hier in der Finanzwelt die wichtigen Beiträge zu leisten, verstanden.  Auch der Blick ins Vortragsprogramm zeigte: viele Vorträge befassten sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, Klimawandel und Klimaschutz.

Doch beim genaueren Hinsehen stellte sich dann recht häufig heraus, dass wirklich nachhaltige Fonds schwer zu finden sind. Ganz im Gegenteil: Überrascht bis schockiert entdeckten wir regelmäßig Werte in den Fonds-Inventaren, bei denen man wirklich keinen Nachhaltigkeitsbezug erkennen kann. Was hat bspw. ein Ölkonzern wie Total in einem „Öko-Fonds“ zu suchen? Inwiefern kann man Titel wie Nestlé oder BAYER als nachhaltige Investments in einem Aktienfonds verstehen? Ein Grund dafür könnte sein, dass in der Finanzbranche entsprechendes Fachwissen fehlt und sich Anbieter bei der Auswahl von ESG-konformen Titeln gerne auf externe Datenanbieter verlassen. Diese Datenanbieter sind häufig die gleichen Ratingagenturen die schon während der Finanzkrise eine Hauptrolle gespielt haben und sie ziehen als wichtigste Informationsquelle für ihre Einschätzungen die eigenen Berichte und Aussagen der Firmen heran. Die Branche scheint sich hier noch sichtlich schwer zu tun mit dem Fokus auf wirklich auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Werte und Unternehmen.

Unser Fazit: Im Bereich der nachhaltigen Aktienfonds sieht die vom Marketing entwickelte Verpackung oft schon sehr gut aus, der Inhalt führt leider noch oft zu Stirnrunzeln. Ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit existiert wohl noch nicht. Der reine Ausschluss der „übelsten Klimasünder“ reicht vielen Anbietern aus, um sich als nachhaltig einzuordnen. Oft findet nur eine sehr oberflächliche Betrachtung statt. Wir sehen das anders. Um eine echte Finanzwende zu schaffen, muss man noch viel strenger auswählen, welche Titel für einen nachhaltigen Aktienfonds wirklich in Frage kommen. Vielleicht sollten wir von WIWIN uns selbst darum kümmern?

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