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Die Unternehmensdetails von Frischepost

In den vergangenen Jahren haben viele landwirtschaftliche Betriebe schließen müssen. Von ursprünglich 1,5 Millionen in 1960 hat sich die Anzahl auf ca. 270.000 in 2019 reduziert. Obwohl die Anzahl stark gesunken ist, ist die Gesamtfläche der landwirtschaftlichen Nutzung in Deutschland konstant geblieben, was im Resultat eine deutlich gewachsene Durchschnittsgröße der Betriebe bedeutet. Gründe dafür, dass sich die kleineren Betriebe nicht halten können sind neben Nachfolgeproblemen und zu hohem Investitionsbedarf vor allem der Preiskampf auf den Absatzmärkten und die fehlenden sinnvollen Vermarktungsmöglichkeiten.1

Die kleinen, meist familiengeführten Betriebe stellen oftmals nachhaltige und qualitativ hochwertige Lebensmittel her. Die dafür benötigten fairen Preise erreichen sie am besten über die Direktvermarktung, doch fehlt es ihnen hierfür oftmals an Zeit sowie Vertriebs- und Logistik Know-How.2

Gleichzeitig möchten sich mehr als 60% der deutschen Verbraucher/innen bewusst und regional ernähren3, zu Hause und im Büro. Der Supermarkt, Kantinen und Caterer bieten wenig Regionalität und Qualität.4 Es fehlt aber auch die Zeit, um für den Wocheneinkauf zum Metzger des Vertrauens, zum Lieblingsbäcker oder zum Gemüsehof auf das Land zu fahren.

Aus der Erkenntnis dieser Problemfelder, haben Eva Neugebauer und Juliane Willing 2015 in Hamburg die Frischepost GmbH gegründet, mit der Vision, den bewussten Konsum von Lebensmitteln zum neuen Standard zu machen. Frischepost will zur größten digitalen Direktvermarktungs-Plattform für nachhaltig erzeugte Lebensmittel werden und damit eine echte Alternative zum zentralisierten Lebensmitteleinzelhandel schaffen.

1 Deutsche Landwirtschaft unter Druck, Research-Publikation der DZ BANK AG, Februar 2020, https://www.dzbank.de/content/dzbank_de/de/home/research/das_dzbank_research.html
2 Frischepost-Recherche in der eigenen Produzentenschaft
3 Global Views on Food 2018, Seite 8, Dezember 2018, https://www.ipsos.com/sites/default/files/ct/news/documents/2018-12/ipsos_global_advisor_views_on_food_2018.pdf
4 Ökobarometer 2017, Seite 18, April 2017, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Oekobarometer2017.pdf?__blob=publicationFile

Frischepost bietet eine Lösung für die gesamte Vermarktungs- und Lebensmittelversorgungskette von regionalen Produzent/innen zu Verbraucher/innen in der Stadt:

Die Produzent/innen profitieren von fairen Preisen, einer digitalen Präsenz und Direktvermarktungs-Möglichkeit, sodass sie sich weiter auf ihr Kerngeschäft, die Landwirtschaft bzw. die Herstellung von Lebensmitteln und/ oder Gerichten, fokussieren können.

Die städtischen Verbraucher/innen profitieren von einem direkten Zugang zu frischen, regionalen Lebensmitteln, die sie ohne Umwege, mit einer hundertprozentigen Transparenz und maximaler Convenience geliefert bekommen.

Frischepost agiert in diesem Zusammenhang als Händler und verdient somit an der Differenz von Einkaufspreis des Produzent/innen zum Verkaufspreis der Kund/innen. Eine Besonderheit hierbei: Frischepost bestellt bei seinen Produzent/innen immer nur genau die Mengen, die von den Kund/innen bestellt wurden und kauft frische Produkte nicht auf Lager.

Die bestellten Produkte werden von den Frischepost Produzent/innen täglich ins Frischepost Umschlaglager geliefert. Noch am selben Tag werden die Bestellungen in Mehrwegkisten verpackt und anschließend mit eigenen Elektroautos zum/r Kunde/in nach Hause, in die Kita, in die Firma, ins Restaurant oder zu einer der Abholstationen geliefert.

Das Frischepost Konzept zeichnet sich durch die Kombination von drei Kernattributen aus: Direkt, Digital und Nachhaltig.

Direkt

Frischepost schafft 100% Transparenz über die Herkunft und Herstellung jedes einzelnen Produktes in seinem Onlineshop. Es besteht somit eine direkte Verbindung zwischen Produzent/in und Produkt: Die Kund/innen können sich zu jedem/r Produzent/in Fotos, Videos und Texte durchlesen und im Shop nach Regionalität, Anbauweise und Zertifizierung der Produkte filtern.

Anders als im klassischen Supermarkt werden bei Frischepost die Lebensmittel passgenau und direkt bei den Produzent/innen bestellt und in den meisten Fällen auch frisch auf Bestellung geliefert. Die Produkte gelangen somit ohne Umwege und ohne Lagerung direkt von den Produzent/innen über den Frischepost Umschlagplatz zu den Kund/innen in die Stadt. Als Resultat erhalten die Verbraucher/innen maximale Frische und Qualität. Gleichzeitig kann der Wegwurf von Lebensmitteln aufs Minimale reduziert werden.

So oft wie möglich besucht das Frischepost Team seine Produzent/innen auf den Höfen, in den Bäckereien, Fleischereien und Manufakturen. Die Produzent/innen von Frischepost sind das Kernstück des Geschäfts, das auf langfristige Lieferantenbeziehungen setzt. Es besteht ein direkter persönlicher Kontakt.

Digital

Über 5 Jahre hat Frischepost Best Practices in allen Bereichen der Lieferkette und zum Thema User Experience entwickelt.

Für die Kund/innen bietet der digitale Onlineshop eine benutzerfreundliche Bedienung, moderne Funktionalitäten, eine datengetriebene Einkaufshilfe und passende Produktvorschläge. Optimierte Rezept-, Abo- und Anlass- Boxen machen den Einkauf zusätzlich zu einem Erlebnis.

Für die internen Prozesse nutzt Frischepost zum größten Teil selbst entwickelte Tools. Dadurch ist im Warenmanagement ein digitaler Wareneingang, eine einfache und schnelle Produzenten-Anbindung und eine effiziente und fehlerfreie, digitalisierte Kommissionierung möglich. Für die intelligente Planung der „letzten Meile“ wird das Team von einem optimierten Routenplanungssystem unterstützt. Die Fahrer/innen können über eine eigene App ihre Routen und bestellungsrelevanten Informationen einsehen, sowie die Pfandgutschriften direkt digital eingeben. Außerdem vereinfacht eine API-Anbindung die Lieferung an Abholstationen.

Im Firmenkundengeschäft setzt Frischepost auf den modernen Frischepost Smart Fridge (Self-Service-Kühlschrank), der mit einer RFID-Technologie, Smartphone-Payment-Möglichkeiten und einem Bestellvorschlag Algorithmus ausgestattet ist.

Nachhaltig   

Frischepost wurde 2015 als Social Impact Start Up mit dem Anspruch gegründet, einen sozial-ökologischen Mehrwert zu generieren und gleichzeitig Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu vereinen. Nachhaltigkeit ist in allen Bereichen des Unternehmens verankert:

Regionalität: Bei allen Frischepost Produkten liegt der Fokus auf Regionalität und Saisonalität. Über 80% der Produkte im Sortiment stammen daher von kleinen Höfen, Betrieben und Manufakturen aus der Region, die maximal 150 km vom Stadtkern entfernt produzieren. So wird die lokale Wirtschaft unterstützt und der persönliche Kontakt zu Produzent/innen ermöglicht. Dadurch fallen Zwischenhändler und große Logistikumschlagplätze weg, wodurch sich ein schlanker Transportprozess abbilden lässt. Darüber hinaus wird durch die kurzen Transportwege mehr CO2 eingespart als bei herkömmlichen Lebensmitteltransporten. Wenn bestimmte Lebensmittel in der Region nicht verfügbar sind, greift Frischepost auch auf überregionale Produkte zurück, für die es einen sicheren Herkunftsnachweis gibt (ca. 20 % des Sortiments). Dadurch kann gewährleistet werden, dass die Kund/innen den kompletten Wocheneinkauf über Frischepost tätigen können und im Gegensatz zu herkömmlichen Lebensmitteln aus dem Supermarkt, ausschließlich nachhaltige Lebensmittel erwerben. Damit überregionale angebautes Obst und Gemüse den Qualitätsansprüchen von Frischepost genügt, muss es mindestens das Bio-Siegel erhalten. Diese Lebensmittel werden aus Europa über den Landweg nach Hamburg transportiert. Flugobst und -gemüse werden bei Frischepost nicht verkauft. Dennoch stellt Frischepost im Online Shop transparent dar, welche Produkte gerade saisonal in der Region verfügbar sind und setzt ganz klar den Fokus auf regionale und saisonale Produkte, nicht zuletzt durch regionale Rezeptboxen und Inspirationen.

Nachhaltige Logistik: Hinter Frischepost verbirgt sich nicht nur eine komplexe Plattform, sondern auch eine umfangreiche Logistik. Die Produkte werden klimafreundlich in Mehrwegverpackungen transportiert. Frischepost liefert die Ware umweltschonend per Elektroauto zum/zur Kunden/in. Die eigenen Elektrofahrzeuge decken die letzte Meile in der Großstadt ab, gesteuert von einem intelligenten Routenplanungstool. Besonderer Wert wird in der Logistik bei Frischepost auch auf Müllvermeidung gelegt. Pfand-Retouren ersetzen das im Handel übliche Einweg-System. Folien oder zusätzliche Plastikverpackungen sind somit überflüssig. Von der Lieferbox bis zur Milchflasche – alle notwendigen Verpackungen werden bei der nächsten Lieferung wieder abgeholt, das Pfand wird direkt dem Kundenkonto online gutgeschrieben.

Nachhaltig erzeugte Produkte: Über 60% der bei Frischepost gelisteten Produkte sind nach den EU-Bio-Richtlinien zertifiziert. Alle Lieferant/innen unterliegen neben diesem und anderen gängigen Siegeln eigens definierten Auswahlkriterien, die auch alle Kund/innen transparent auf der Webseite einsehen können. Diese Auswahlkriterien stellen Nachhaltigkeit, Tierwohl und Qualität der Produkte sicher. Hierzu gehören Richtlinien zu Inhaltsstoffen, zur Tierhaltung und –fütterung und zur Bezahlung der Mitarbeiter/innen auf dem Feld.

Reduzierung von Food Waste: in Deutschland gehen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg jährlich über 18 Mio Tonnen Nahrungsmittel verloren. Nach einer Schätzung des WWFs sind davon fast 10 Mio Tonnen vermeidbar.5 Frischepost trägt zur Vermeidung von Lebensmittelabfall bei, indem die Bestellung von frischen Produkten beim/bei der Lieferant/in erst auf Bestellung des/der Endkund/in ausgelöst wird. Somit entsteht keine unnötige Einlagerung. Dieser Prozess ist nur durch eine enge Anbindung der Produzent/innen an die Frischepost Plattform möglich. Außerdem werden Obst und Gemüse weder beim Wareneingang noch der Kommissionierung aufgrund von Form oder Farbe (Misfits) ausgeschlossen.

5 Das Große Wegschmeißen, World Wildlife Foundation Deutschland, Juni 2015, https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Studie_Das_grosse_Wegschmeissen.pdf

Über die Frischepost-Plattform können über eine einheitliche Supply Chain verschiedene Vertriebswege abgewickelt werden: Farm-to-Home, Farm-to-Business und Farm-to-Restaurant.

Farm-to-Home

in Hamburg: ca. 11.000 Privatkund/innen bestellen im Durchschnitt alle 2 Wochen bei Frischepost.

Im Frischepost-Onlineshop finden Privatkund/innen alles, was sie für ihren täglichen Lebensmittelbedarf benötigen und können alle Produkte bequem nach Hause bestellen. Das Angebot umfasst im Hauptmarkt Hamburg ein Vollsortiment von über 2.200 Produkten von mehr als 400 regionalen Produzent/innen. Kund/innen haben die Möglichkeit individuell zu bestellen oder sich ein flexibles Abo einzurichten. Für höchste Flexibilität gibt es außerdem die Möglichkeit zur Festlegung eines gewünschten Lieferzeitraums oder zur Lieferung an eine Abholstation (wie z.B. Schließfächer). Wöchentlich wechselnde Themenwelten, Events (z.B. Live Cooking) und Rezeptempfehlungen machen den Einkauf zu einem Erlebnis.

Farm-to-Business

Firmenkund/innen (in Hamburg ca. 300) bestellen im Durchschnitt 5 mal pro Monat.

Frischepost bietet Firmenkund/innen Produkte aus fünf verschiedenen modularen Produktbereichen an.

Der Frischepost Smart Fridge ist ein Kernelement im Frischepost Farm-to-Business Segment. Die Mitarbeiter/innen können über die Frischepost Fridge App den Kühlschrank öffnen und sich bedienen. Ein Kauf wird derzeit durch Einscannen des Produktes automatisch getrackt und abgerechnet. Noch dieses Jahr wird das System weiterentwickelt: Dann wird der Kauf über moderne RFID-Technologie getrackt und automatisch abgerechnet. Frischepost ermöglicht über diese digitale Mini-Kantine somit eine kontaktlose 24/7 Verpflegung mit Snacks, Getränken und regional frisch zubereiteten Mittagsgerichten.

Der Frischepost Smart Fridge wird auf Basis eines Bestellvorschlages täglich frisch bestückt. Der Bestellvorschlag basiert auf den Abverkäufen und Resten der letzten Woche. Die Firmenkunden können zukünftig die Bestellvorschläge in ihrem persönlichen Abo-Bereich dann noch anpassen. Reste aus dem Kühlschrank werden an die lokalen Foodsharing-Konzepte gespendet.

Farm-to-Restaurants

Regionalität und Nachhaltigkeit spielen auch im Gastronomiebereich eine immer größere Rolle und Besitzer und Köche haben meist keine Zeit Ihre Zutaten von einzelnen Lieferanten zu beziehen. Beliefert werden vor allem nachhaltig ausgerichtete Cafés, die Spitzengastronomie und sogenannte Gastropubs.

Zusätzlich baut Frischepost kontinuierlich Partnerschaften und Kooperationen mit führenden Restaurants und Köchen auf, beispielsweise für Events (wie Live Cooking) oder Präsenz auf frischepost.de und den Verkauf von Restaurantgutscheinen. Dies unterstützt Restaurants in der Neukundengewinnung und bietet für Frischepost spannende Vertriebs- und Storytelling- Möglichkeiten.

Für den Farm-to-Restaurant-Geschäftsbereich wurde bisher nie aktiv Vertrieb gemacht. Dies ist jedoch ab Herbst 2020 geplant.

Frischepost wirtschaftet im Markt Hamburg bereits profitabel (EBIT positiv).

Haupttreiber für die Profitabilität ist die Frischepost-Plattform, die sämtliche Prozesse im Einkauf, der Logistik und im Marketing sind fast vollständig automatisiert und digitalisiert. Erst dadurch wird Skalierung und somit Profitabilität möglich.

Des Weiteren stellt die Frischepost-Plattform über eine intelligente Liefergebühren-Berechnung (berücksichtigt Bestellwert, PLZ und Zeitfenster) sicher, dass jede/r Kund/in in der letzten Meile profitabel beliefert wird. Der/die Kund/in muss bei Zustellung nicht zuhause sein (kühlpflichtige Produkte sind über eine integrierte Kühltasche und Kühlelemente in der Mehrwegbox gekühlt), was die “Dauer der Zustellung” reduziert und dem/r Kund/in die Wahl eines günstigen, breiten Zeitfensters leichter macht. Auch die Bündelung von mehreren Bestellungen über die angebundenen Frischepost-Abholstationen (Schließfächer) fördert die Profitabilität.

Farm-to-Home Warenkorb, April 2020 *Logistikkosten inklusive Löhne für Fahrer*innen und Packer*innen

Das Abo-Tool, die datengetriebene Einkaufshilfe, und das ständig wachsende Frischepost-Sortiment führen zudem zu einem stetig wachsenden Warenkorbwert. Im Farm-to-Home-Segment liegt der durchschnittliche Warenkorb derzeit bei 74 Euro. Der Deckungsbeitrag beträgt dabei 13 Euro (17%).

Im Farm-to-Business/Restaurant-Segment liegt der Warenkorb bei 171 Euro, was insbesondere durch das “Alles aus einer Hand”-Konzept gefördert wird. Vor allem deswegen ist der Deckungsbeitrag auch attraktiver als im Farm-to-Home-Konzept (37 Euro – 23 %). Aufgrund dieser höheren Profitabilität setzt Frischepost seit 2019 einen starken Fokus auf das Farm-to-Business/Restaurant-Geschäft (vor der Corona-Krise ca. 70 % des Umsatzes), was letztendlich die schnellere Profitabilität in Hamburg ermöglicht hat.

Zwischen den Farm-to-Home, Farm-to-Business und Farm-to-Restaurant lassen sich Synergien nutzen, die maßgeblicher Treiber für die Profitabilität sind. Mitarbeiter/innen von Firmen, die bereits mit Frischepost-Lebensmitteln beliefert werden, konvertieren oftmals zu Privatkund/innen. Dies wird zudem durch Abholstationen in den Firmen begünstigt.

Farm-to-Business/Restaurant Warenkorb, März 2020 *Logistikkosten inklusive Löhne für Fahrer*innen und Packer*innen

Der Umsatz in Hamburg hat sich seit der Gründung 2015 jedes Jahr verdoppelt. Diese Verdopplung plant Frischepost auch in den folgenden Jahren weiterzuführen.

Zudem wird nun der Gesamtumsatz seit April 2020 durch den Umsatz durch die Lizenzierung der Frischepost-Plattform (siehe nächster Abschnitt) ergänzt. Software-Lizenzierung/Franchise-Konzepte bieten attraktive Margen und so sind in den nächsten Jahren im Lizensierungssegment EBIT-Margen von bis zu 70 % geplant.

Seit der Gründung in 2015 arbeitet das Frischepost-Team bereits daran, eine skalierbare Supply Chain durch die Standardisierung, Automatisierung und Digitalisierung der einzelnen Prozesse in Form von eigenentwickelten IT-Tools und Apps zu entwickeln.

Gleichzeitig hat sich die Frischepost-Marke zum Gütesiegel für fairen und frischen Handel mit nachhaltigen Lebensmitteln entwickelt und es wurden Best Practices im Bereich Vertrieb und Marketing gesammelt.


Durch den intensiven Austausch mit Biokisten-Betreiber/innen, Regionalinitiativen und interessierten Neugründer/innen im Bereich Online Vermarktung von regionalen Lebensmitteln wurde schon früh erkannt, dass ein großes Potential darin liegt, weiteren Marktteilnehmer/innen und Neugründer/innen eine funktionierende IT-Plattform und Marke zur Verfügung zu stellen, damit sich die regionalen Betreiber/innen auf ihr Kerngeschäft – nämlich den lokalen Einkauf, Vertrieb und Logistik – konzentrieren können und das “Rad nicht neu erfinden müssen”.

Außerdem gilt bei Frischepost die Überzeugung: Regionalität ist nur dann authentisch, wenn sie regional gelebt wird.

Nach der erfolgreichen Entwicklung der Frischepost-Plattform und anhand des profitablen Proof of Concepts in Hamburg haben die beiden Gründerinnen Eva Neugebauer und Juliane Willing in Zusammenarbeit mit dem Frischepost-Gesellschafter Andreas Berger in 2019 für die Skalierung des Frischepost-Geschäftsmodells ein franchise-ähnliches Partnerprogramm entwickelt. Für eine Lizenzgebühr von 7,5 % des Umsatzes können eigenfinanzierte Partnerbetriebe die Frischepost-Plattform nutzen und in der jeweiligen Region mit einem eigenen Lieferanten-Netzwerk einen Frischepost-Standort aufbauen. Die Lizenznehmer/innen werden dabei auch bezüglich der Auswahl von Lieferant/innen und dem Produktsortiment unter Beachtung der Auswahlkriterien unterstützt.

Gesucht werden Lizenznehmer/innen, die in der Region eine eigenständige Gesellschaft gründen und auch einen oder mehrere Geschäftsführer/innen vor Ort stellen. Das Programm lebt von regional vernetzten, eigenständigen Unternehmer/innen, die Frischepost mit Überzeugung und Leidenschaft aufbauen und anfangs finanzieren können.

Der erste Frischepost-Standort in Rhein-Main wurde Mitte April 2020 eröffnet und der Roll-Out-Plan sieht vor, dass in 2020 weitere Standorte in Köln, Berlin und München folgen werden. Ab 2021 sind bereits mehr als 15 weitere Standorte in der DACH-Region geplant.

Insgesamt belief sich der Gesamtumsatz des deutschen Lebensmitteleinzelhandels im Jahr 2019 auf rund 125,3 Milliarden Euro.6

Hierbei gewinnt der Online-Kauf mit einer Wachstumsrate von 20,3% immer mehr an Bedeutung. Der Umsatz betrug 2018 bereits rund 1,36 Milliarden Euro.7 Grundsätzlich sind die Kund/innen der Online-Angebote vor allem den jüngeren Altersgruppen zuzuordnen und insbesondere in Metropolen und Ballungsräumen mit mehr als 500.000 Einwohner/innen vertreten. Die Online-Warenkörbe enthalten vor allem frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse (56%), Fisch und Fleisch (42%) oder Milchprodukte (40%).8

Durch die aktuellen Entwicklungen der Pandemie COVID-19 im Jahr 2020, lässt sich bereits jetzt erkennen, dass die Online-Nachfrage einen zusätzlichen Anstieg verzeichnen wird. 13% der Befragten einer repräsentativen Umfrage der Group-M-Forschungsunit [M]Science gaben an, dass sie auch nach der Krise ihre Einkäufe vermehrt über Online-Kanäle tätigen wollen.9

Neben der Entwicklung des Online Lebensmittelkaufs begünstigt der Trend hin zu einer frischen und bewussten Ernährung den Markt für Frischepost. Der Umsatz von Bio-Lebensmitteln hat sich in den vergangenen 10 Jahren verdoppelt 10 und liegt nun bei einem Anteil von ca. 6% am Gesamtlebensmittelumsatz in Deutschland (2019).11

Auch der Außer-Haus-Konsum zeigt einen stärkeren Fokus auf gesunde Ernährung. 41% der Konsument/innen versuchen sich gesund zu ernähren, auch wenn sie nicht Zuhause sind.12 Hierzu zählen entsprechend auch die Mahlzeiten im Büro, welche durch das Frischepost Farm-to-Business Angebot abgedeckt werden. Unternehmensverantwortliche berichten zudem, dass das Angebot von regionalen und nachhaltigen Lebensmitteln das Firmen-Image und die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich steigert.

In Restaurants oder Cafés legen die Gäste (rund 60%) Wert darauf, dass die Gerichte aus Biolebensmitteln hergestellt werden.13 Auch hier sind Restaurantbesitzer/innen also häufig auf der Suche nach zuverlässigen Lieferant/innen von ökologischen und regionalen Produkten.

Auch die Regionalität spielt für viele Verbraucher/innen eine immer größere Rolle. 84% wünschen sich mehr regionale Produkte bei ihrem Einkauf. Zusätzlich geben 70% der Konsument/innen an, dass sie für regionale Lebensmittel einen höheren Preis akzeptieren würden.14

In der Betrachtung des Marktes eignet sich auch eine Gegenüberstellung der Angebote der verschiedenen Marktteilnehmer/innen um die Positionierung von Frischepost zu verdeutlichen:

GRAFIK

6 GfK, Consumer Index 12 | 2019, Januar 2020, https://www.gfk.com/fileadmin/user_upload/dyna_content/DE/documents/News/Consumer_Index/GfK_CI_Dezember_2019_Trading_Up.pdf
7 bevh.org, August 2019, https://www.bevh.org/fileadmin/content/05_presse/Auszuege_Studien_Interaktiver_Handel/Inhaltsverzeichnis_fu__r_bevh_Gesamtbericht_Interaktiver_Handel_in_Deutschland_2018.pdf
8 Der BMEL-Ernährungsreport 2019, Januar 2019, https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2019.html
9 So stellen sich die Deutschen ihren Alltag nach der Pandemie vor, Thomas Heuzeroth, Welt, April 2020, https://www.welt.de/wirtschaft/article206994399/Corona-und-die-Folgen-Durchbruch-fuer-den-Lebensmittel-Onlinehandel.html
10  bmel.de, Februar 2020, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/OekologischerLandbau/praesentation-biomarkt-2019.pdf?__blob=publicationFile
11 Ökologische Landwirtschaft – Branchenreport 2020, Seite 25, Februar 2020, https://www.boelw.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Zahlen_und_Fakten/Brosch%C3%BCre_2020/B%C3%96LW_Branchenreport_2020_web.pdf
12 Iss was, Deutschland?, S. 43, Januar 2017, https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/934342/Datei/187493/TK-Ern%C3%A4hrungsstudie%202017%20Pdf%20barrierefrei.pdf
13 Ökobarometer 2018, Seite 24, Februar 2019, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Oekobarometer2018.pdf;jsessionid=45C80ECFC48418B420EB62CDB8169A9F.1_cid296?__blob=publicationFile
14 Du bist, was du isst, Civey Ernährungsreport, Januar 2019,
https://civey.com/pro/unsere-arbeit/report/ernaehrung/der-civey-ernaehrungsreport-2019

Die beiden Gründerinnen Eva Neugebauer und Juliane Willing studierten gemeinsam an der Wirtschaftshochschule WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar und gründeten Frischepost im Sommer 2015 im Rahmen des EXIST Gründerstipendiums und des Social Impact Start Stipendiums.

Juliane Willing ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Hamburg aufgewachsen und hat schon als Kind gelernt, was die Herausforderungen regionaler Produzent/innen, aber auch die Vorteile von ökologisch und regionalen Produkten bedeutet. Im BWL-Studium lernte sie bei der Gründung und Organisation eines Kongresses für soziales Unternehmertum ihre Mitgründerin Eva kennen. Nach einem Ausflug in die Konzernwelt bei Henkel, wo sie über 3 Jahre Projektmanagement und Purchasing-Erfahrung sammeln konnte, fanden Eva und sie mit ihrer gemeinsamen Idee für Frischepost wieder zusammen.

Eva Neugebauer ist ebenfalls auf einem ländlichen Betrieb im Bereich der Forstwirtschaft in der Nähe von Koblenz aufgewachsen. Die Themen Klimawandel und soziale Gerechtigkeit beschäftigen sie seit der Jugend. So schrieb sie schon ihre Facharbeit über den Klimawandel und arbeitete in der Entwicklungshilfe in Äthiopien. Gleichzeitig folgte sie ihrem Interesse für den Lebensmittelhandel und sammelte während des Studiums Erfahrungen in unterschiedlichen Food Startups (z.B. HelloFresh, nu3) und im stationären Lebensmittelhandel (tegut… , Edeka). Zuletzt schrieb sie ihre Masterarbeit über die letzte Meile im Online-Lebensmittelhandel und interviewte im Zuge dessen ca. 30 Biokisten Betriebe in Deutschland.

Über 48% der Geschäftsanteile an der Frischepost GmbH befinden sich gegenwärtig in der Hand der beiden Gründerinnen, die auch gleichzeitig Vollzeit als Geschäftsführinnen der Frischepost GmbH tätig sind.

Unterstützt werden Eva Neugebauer und Juliane Willing durch ein starkes Management Team, bestehend aus einem CTO (mit einem 7-köpfigen IT- und Produktteam), einem Head of Brand, einem Head of HR & Finance, einer Head of Operations und einer Partnerprogramm-Leiterin.

Die regionalen Frischepost Teams werden jeweils von einer Standortleitung geführt, die wie ein Entrepreneur in Residence auch die Geschäfte führt. In Mainz ist dies Anna Goedrich und in Hamburg Melchior von Wedel.

Im April 2020 sah die Beschäftigungsstruktur in Hamburg wie folgt aus:

21 Vollzeitbeschäftigte und 53 Teilzeitbeschäftigte (u.a. auch Werkstudent/innen, geringfügig Beschäftigte). Es arbeiteten im April 2020 sechs verschiedene Staatsangehörigkeiten bei Frischepost und über 50% der Beschäftigten waren weiblich.

Am Frischepost-Standort in Mainz arbeiteten im April zwei Vollzeitbeschäftigte und acht Teilzeitbeschäftigte und Aushilfen.

Frischepost hat insgesamt 12 Business Angels und Familienunternehmer/innen als Investoren an Bord, die langfristig investieren und vor allem auch den gesamtheitlichen Nutzen und Auftrag von Frischepost schätzen und unterstützen. Einige begleiten Frischepost sehr aktiv und bringen sich zu unterschiedlichen Themen ein:

Matthias Willenbacher, Gründer der juwi AG, Gesellschafter und Geschäftsführer der Plattform für nachhaltige Geldanlagen wiwin GmbH & Co. KG und Pionier im Bereich erneuerbare Energien: “Der Ansatz ganzheitlich die Themen Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen aufzugreifen, macht Frischepost für mich zu einem herausragenden Social Impact Unternehmen. Frischepost unterstützt damit den sozialen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Gesellschaft.”

Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung: “Eva und Juliane und das gesamte Team stehen nicht nur mit Kreativität, Ambition und den richtigen Fähigkeiten hinter dem Aufbau von Frischepost – sondern haben sich auch ein breites Netzwerk an Unterstützern und Partnern aufgebaut, die das Geschäft kontinuierlich mit tragen.”

Andreas Berger, ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung von Aldi Nord und Valora: “Das Frischepost Geschäftsmodell hat in Hamburg seinen Proof of Concept absolviert. Über das Lizenzgeschäft kann das Konzept nun skalierbar in weitere Regionen in Deutschland und Europa getragen werden.”

Matthias von Bechtolsheim, Gründer der Agentur „Heimat“: “Für mich hat Frischepost in den letzten Jahren eine starke Marke aufgebaut, die authentisch und ehrlich die guten Produkte vom Land in der Stadt vermarktet – Power to the Bauer, eben!”

  • Social Impact Start 2015
  • EXIST Gründerstipendium 2015
  • 40 under 40 CAPITAL 2019
  • Digital Leader Female Award 2019
  • Spiegel Online 2020, FAZ und Handelsblatt 2019, WiWO, HH Abendblatt
  • Google & Facebook
  • Instagram

Das mit dieser Vermögensanlage eingeworbene Kapital soll insbesondere zur Umsetzung der unternehmerischen Wachstumsstrategie genutzt werden. Kern dieser Wachstumsstrategie sind insbesondere der Ausbau der Frischepost-Onlineplattform sowie die Erschließung weiterer deutscher und europäischer Märkte, so dass möglichst viele Personen Zugang zu nachhaltigen und regionalen Lebensmitteln erhalten. Der Hauptmarkt in Hamburg ist maßgeblich beim Ausbau der Frischepost-Onlineplattfrom beteiligt und soll daher ebenfalls mitfinanziert werden. Die Emittentin behält sich vor, ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 100.000 Euro, welches im August 2020 zur Rückzahlung fällig wird, ggf. aus den mit dieser Vermögensanlage eingeworbenen Mittel zurückzuzahlen.

Vertrieb des Lizenzierungsgeschäfts

Mit dem Ausbau des Partner- und Lizensierungsgeschäfts plant Frischepost in weitere Städte zu expandieren um noch mehr Konsument/innen zu beliefern.

Finanziert werden muss vor allem ein Vertriebsteam für die Akquise neuer Partner/innen, sowie ein Team zur aktiven Partnerbetreuung.

Ausbau der Frischepost Plattform

Es wird Kapital benötigt, um das Entwicklungsteam in Hamburg weiter auszubauen, das die Frischepost-Plattform stetig weiterentwickelt und somit die Automatisierung und Digitalisierung vorantreibt. Nur dadurch kann ein schnelles und profitables Wachstum mit wenig Personal in den neuen Regionen für die Partnerbetriebe ermöglicht werden.

Strategieprojekte und Tests in Hamburg

Hamburg dient als Testmarkt für alle weiteren Lizenznehmer/innen und Partner/innen. Hier wird beispielsweise an einem neuen Farm-to-Restaurant-Konzept gefeilt und der Frischepost Smart Fridge getestet. Diese Projekte haben einen Investitionsbedarf, der finanziert werden muss.

Hinweis: Dieses Angebot richtet sich nicht an Staatsbürger*innen der Vereinigten Staaten von Amerika.

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