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Greiners Finanzkolumne: Glencore: Sinnlose Geldverschwendung statt Sicherheit durch ESG-Kriterien

Anfang des Jahres – mittlerweile aufgrund der Coronakrise schon wieder fast vergessen – erschütterten uns Bilder eines gigantischen Flammenmeeres vom anderen Ende der Welt. In Australien, wo man 2019 das heißeste Jahr seit Beginn der Temperatur-Aufzeichnungen erlebte, verwüsteten Buschbrände insbesondere die dicht besiedelte Ost-Küste und gefährdeten nicht nur einzelne Dörfer, sondern ganze Landstriche. Die konservative australische Regierung, die in den letzten Jahren keine Anstrengungen zur Bewältigung der Klimakrise unternommen und zudem versucht hatte, bestehende Abkommen zu verwässern, bekam die Wut der eigenen Bevölkerung zu spüren. Da Australien einer der größten Kohleförderer und -exporteure der Welt ist, wird die Politik des Kontinents maßgeblich mitentscheiden, ob wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen oder verfehlen.

Gleichzeitig scheint die Kohle weltweit ihren Förderpeak erreicht zu haben. Einerseits weil billiges Erdgas den Betrieb vieler Kohlekraftwerke unökonomisch macht, andererseits weil erneuerbare Energien in fast allen Industrieländern fossile Kraftwerke ohnehin Stück für Stück aus dem Markt drängen. Nun ist auch noch die Coronakrise vorherrschend, die weltweit nicht nur die Wirtschaft einbrechen, sondern ebenso den Bedarf nach fossilen Brennstoffen dramatisch zurückgehen ließ. Man könnte meinen: Nicht unbedingt ein guter Zeitpunkt, um in neue Kohleminen zu investieren.

Doch die Manager des Rohstoffriesens Glencore scheinen in einer anderen Welt zu leben. Mitten in diesem perfekten Sturm hat man bei der australischen Regierung den Spezial-Status für die schnellere Entwicklung einer 1,5 Milliarden USD teuren neuen Kohlemine in Australiens Nordwesten durchgedrückt. Dabei hatte Glencore erst 2019 unter dem Druck besorgter Investoren zugesichert, die Kohleproduktion im Konzern auf dem aktuellen Level einzufrieren. Den Aufschrei der Umweltschützer versucht Glencore damit herunterzuspielen, dass man hierfür alte Kohleminen aus der Produktion nehmen wolle. All dies lässt deutlich werden, dass das Glencore-Management für die Aktionäre des Unternehmens nachteilige Entscheidungen trifft, die den Shareholder Value – also den Marktwert des Eigenkapitals der Aktionäre – langfristig verschlechtern.

Die Planungen eines Megaprojekts wie der in Rede stehenden neuen Kohlemine ziehen sich über viele Jahre hinweg. Benötigt werden in diesem Fall auch noch mindestens 1,5 Mrd. USD Investitionen, bis die Produktion tatsächlich beginnen kann. Lässt man nun alle ethischen Fragen außen vor und betrachtet rein die Rentabilität der Investition, so muss sich das Management folgende Frage stellen: Wann wird die Mine in Produktion gehen und wie wird zu diesem Zeitpunkt die Nachfrage nach Kohle aussehen?

Hierzu gibt es bereits ein interessantes Beispiel: die geplante Kohlemine von dem indischen Konzern Adani, die ebenfalls im australischen Queensland gebaut werden soll. Das Projekt hatte zur Folge, dass sich Luisa Neubauer von Fridays for Future öffentlichkeitswirksam mit Siemens-CEO Joe Käser anlegte, da Siemens Signaltechnik für die Zugverbindung zur Mine liefern will. Nicht nur Siemens sah sich einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt, sondern auch jede andere Partei, die sich an der Errichtung dieser Mine beteiligen wollte Daher kam von zahlreichen Großbanken die Zusicherung, dass man dieses Projekt nicht finanzieren werde. In Australien selbst entstand zudem eine starke Protestbewegung gegen das Adani-Projekt, über die bereits zwei Filme gedreht wurden.

Ob die Glencore-Manger den auch in ihrem Fall zu erwartenden Reputationsschaden sowie mögliche Verzögerungen durch Proteste und Gerichtsverfahren sowie Druck angemessen einkalkuliert haben, darf an dieser Stelle bezweifelt werden. Selbst wenn die Mine schließlich mit einigen Jahren Verzögerungen ab 2027 oder 2030 etwa vier Prozent von Australiens gesamter Kohleproduktion leisten soll: Wie wird die Nachfragesituation dann aussehen?

Die erneuerbaren Energien werden von Jahr zu Jahr rentabler, Solar- und Windstrom ist bereits heute an guten Standorten günstiger als die operativen Produktionskosten eines abgeschriebenen Kohlekraftwerks. Batterien werden durch massive Investitionen der Automobilhersteller in Elektromobilität stetig leistungsfähiger und günstiger. In zehn Jahren, wenn die neue Mine dann also in vollem Betrieb sein soll, werden Kohlekraftwerke voraussichtlich reihenweise vom Netz gehen, da sie nur noch durch staatliche Regulierung und finanzielle Unterstützung wirtschaftlich betrieben werden können.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Glencore-Mine ist dementsprechend niedrig. Wie viel Geld die Aktionäre des Unternehmens durch die schlechte Management-Entscheidung verlieren werden, bleibt abzuwarten.

Mein Tipp: Investieren Sie nur in Aktienfonds, die strengen ESG-Kriterien unterliegen. Hierdurch werden Unternehmen wie Glencore von vorneherein von einem möglichen Investment ausgeschlossen. Sie haben damit eine erheblich größere Sicherheit, dass Ihre Ersparnisse nicht aufgrund unzeitgemäßer Entscheidungen irgendwo in Australien sinnlos im Boden versinken. Fragen Sie bei Ihrem Fondsanbieter oder Ihrer Bank nach, ob die zuständigen Fondsmanager die ESG-Kriterien berücksichtigen und wechseln Sie gegebenenfalls den Anbieter. Nicht nur Ihre Kinder und Enkel werden es Ihnen danken, sondern auch Ihr Geldbeutel.

Gunter Greiner

Anmerkung: Dies ist keine Anlageempfehlung! Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider und nicht zwangsläufig die Meinung der wiwin GmbH & Co. KG.

Gunter Greiner
Head of Investments & Portfolio Management bei WIWIN

Gunter Greiner leitet das Portfolio-Management bei WIWIN. Er bringt 20 Jahre Investment-Erfahrung bei verschiedenen Fonds- und  Beteiligungsgesellschaften insbesondere im nachhaltigen Bereich mit. Er sitzt zudem in diversen Aufsichts- und Beiräten. Als langjähriger Begleiter der Energiewende kennt sich Gunter Greiner bestens mit wirtschaftlichen Einflussfaktoren nachhaltiger Investments aus.

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