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Impact-Investor Matthias Willenbacher: „Grüne Gründer Brennen Für Ihr Thema“

Impact-Investor Matthias Willenbacher: „Grüne Gründer brennen für ihr Thema“

Energiewende-Pionier, Unternehmer und seit vielen Jahren Unterstützer von nachhaltigen Startups: Matthias Willenbacher hat sich voll und ganz dem Kampf für mehr Nachhaltigkeit und 100 Prozent Erneuerbare Energien verschrieben. Jetzt wurde der Energiewende-Vordenker vom Bundesverband Deutsche Startups aus über 650 Vorschläge in die Top 3 für den German Startup Award nominiert – als bester Investor. Im Interview erklärt unser Gründer und Geschäftsführer, wie der Bau eines Windrads auf dem Bauernhof der Eltern alles ins Rollen brachte, wie er seine Investments auswählt und was grüne Gründer brauchen, um am Markt erfolgreich zu sein.


Matthias, wann hast Du Dein erstes Unternehmen gegründet?

Ich bin in Schneebergerhof aufgewachsen – einer kleinen Gemeinde in „Pfälzisch Sibirien“. Meine Eltern hatten dort einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ich selbst habe Mathematik und Sport auf Lehramt sowie Physik (Diplom) in Mainz studiert. Da ich mich gut mit Computern auskannte, gründete ich bereits während des Studiums meine erste Firma, in der ich Computer nach Kundenwunsch konfigurierte und verkaufte. Damals war ich 20 Jahre jung.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Unternehmen wie Juwi zu gründen, das sich auf Solar- und Windkraftprojekte spezialisiert?

Ich habe 1995 einen Bericht über Windkraft in der Eifel gelesen und war sofort inspiriert. Daraus entstand dann die Idee, ein Windrad auf dem Bauernhof meiner Eltern zu bauen. Mein Vater war zunächst skeptisch. Von Freunden und Bekannten habe ich rund 300.000 DM Eigenkapital eingesammelt und über die lokale Bank eine Fremdkapitalfinanzierung in Höhe von 700.000 DM abgeschlossen. Das hat meinen Vater überzeugt. Nach neun Monaten Planungszeit stand dann das Windrad. Danach lernte ich meinen späteren Geschäftspartner kennen, mit dem ich schließlich die juwi AG gegründet habe. Die juwi AG ist innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Projektentwickler für Erneuerbare-Energien-Anlagen in Deutschland mit Standorten in der ganzen Welt gewachsen. 2011 – im Jahr von Fukushima – zählte das Unternehmen rund 1.800 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Warum hast Du das Unternehmen dann verlassen?

Die Bundesregierung hat insbesondere in 2012 und 2014 die Unterstützung für erneuerbare Energien sehr abrupt und sehr massiv zurückgefahren, was juwi in eine schwierige Unternehmensphase geführt hat. Erstmalig in der Firmengeschichte war es notwendig, innerhalb von wenigen Monaten einen Investor mit frischem Kapital an Bord zu holen. Juwi brauchte mindestens 100 Millionen Euro – Eine Summe, die in dieser Phase nur von einem strategischen Investor eingebracht werden konnte. Das war dann mit den Stadtwerken Mannheim (MVV) ein Unternehmen mit einer starken Finanzkraft, umfassender Erfahrung im Energiebereich, aber grundlegend anderer Kultur, was zu einem Bruch in der Zusammenarbeit führte. Der Ausstieg aus dem operativen Geschäft bei juwi eröffnete mir die Möglichkeit nach fast 20 Jahren in einem Unternehmen, mich neuen Themen zu widmen.

Welche Themen sind das ganz konkret?

Mit der wiwi Plan finanziere ich weiter die Entwicklung von Windparks und Solaranlagen. WIWIN ist eine Plattform für nachhaltige Investments und über die Wi Venture Management bin ich in nachhaltige Startups investiert. Mit einem Experten-Team unterstützen wir die Startups auch fortlaufend bei Themen wie Sales, Marketing und Co. Dazu kommen noch weitere Firmen, über die ich beispielsweise an nachhaltigen Immobilienprojekten beteiligt bin. Zudem habe ich schon 2010 die Stiftung „100 prozent erneuerbar“ ins Leben gerufen, die dafür kämpft, dass Energie zukünftig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. Denn das ist möglich – wir müssen es nur wollen.

Mit WIWIN willst Du den Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst aktiv an der Energiewende zu beteiligen.

Ja – aus diesem Grund haben wir bereits 2011 die juwi invest gegründet, die dann 2016 in die heutige WIWIN umfirmiert wurde. Inzwischen haben wir mit WIWIN bereits über 62 Millionen Euro in nachhaltige Projekte vermittelt; weil es auch neben den Erneuerbaren noch weitere wichtige Investitionsbereiche gibt, sind auf der Plattform noch Energieeffizienz-Immobilien und Investment-Angebote in nachhaltige Startups dazugekommen.

In wie vielen grünen Startups bist Du mittlerweile investiert?

Aktuell bin ich Teilhaber von 17 Startups. Im vergangenen Jahr bin ich beispielsweise bei VoltStorage eingestiegen, einem jungen Münchner Unternehmen, das gerade den Heimspeichermarkt mit einer innovativen Lösung aufrollt. Tomorrow ist eine grüne Smartphone-Bank – quasi N26 in nachhaltig. Sono Motors entwickelt das erste Solar-Elektroauto in Serie und SIRPLUS rettet Lebensmittel, die ansonsten im Müll landen würden, und schafft Wertschätzung und Bewusstsein für das Thema. Darüber hinaus haben wir über WIWIN für viele dieser Startups bereits erfolgreich Geld eingesammelt. Für VoltStorage konnten wir im Herbst 2019 zum Beispiel eine Million Euro in knapp zwölf Tagen von unseren Anlegern einsammeln.

Warum unterstützt Du diese Startups?

Meine Vision ist es, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten. Nachhaltigkeit ist dabei ein sehr breites Feld. Es geht nicht nur um Energiewende, sondern beispielsweise auch um Verbesserungen bei der Mobilität, Landwirtschaft, Konsum und der Lebensmittelversorgung. Darum unterstütze ich Startups, die diese Vision teilen und die in ihren Bereichen etwas bewegen wollen. Grüne Gründer brennen für ihre Themen, sind innovativ und haben keine wirtschaftliche Notwendigkeit, an alten Geschäftsmodellen festzuhalten, wie beispielsweise die Autohersteller am Diesel oder die Energieversorger an ihren Kohlekraftwerken. Junge Unternehmen können die Welt wirklich zu einem besseren Ort machen. Deshalb ist es mir wichtig, das Ökosystem für nachhaltige Startups in Deutschland zu stärken. Nachhaltigen Startups fehlt oft der Zugang zum richtigen Kapital. Zu oft bestehen noch Vorurteile bei Anlegern, beispielsweise dass nachhaltige Investments mit einem Renditeverzicht einhergehen. Das muss sich ändern.

Worauf legst Du Wert bei der Auswahl deiner Investments?

Ich wähle gezielt Startups mit einem hohen Nachhaltigkeitsfaktor aus. Ich bin davon überzeugt, dass der Zugang zu einer nachhaltigen Grundversorgung essenziell ist, um Wachstum und Wohlstand mit einem gesunden Ökosystem in Einklang zu bringen. Die Gründer müssen echte Überzeugungstäter sein – nur dann können sie mich auch mitreißen.

Die Unternehmen sollten bereits ein Produkt am Markt platziert haben oder eine Produktstrategie für bereits existierende Märkte vorlegen können. Im optimalen Fall bringt das Gründerteam schon Erfahrung mit, wobei ich auch jungen Gründern eine Chance gebe, wenn das Geschäftsmodell besonders überzeugend ist und ich die Möglichkeit sehe, die Gründer mit meinem Netzwerk zu unterstützen.

Was gibst Du den Gründern noch mit auf den Weg – außer finanzieller Unterstützung?

Ich habe als Unternehmer selbst Höhen und Tiefen durchlebt und will die gewonnenen Erfahrungen weitergeben. Dazu pflege ich ein echtes, partnerschaftliches Verhältnis zu den Gründern, die ich unterstütze. Ich habe bereits bewiesen, dass ich mit den Startups durch dick und dünn gehe, nicht aufgebe und den Investments auf diesem Weg zum Erfolg verhelfe. Als Investor helfe ich persönlich und mit meinem Team jungen Gründern dabei, ihre Unternehmen dynamisch zu entwickeln, denn Geld und persönliche Unterstützung erhöhen die Chance auf Erfolg. Auf diesem Weg können wir die Welt Schritt für Schritt besser machen.

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