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Eine echte Alternative zum Auto: das Lastenrad – im Gespräch mit einem Cargobike-Liebhaber

Das Fahrrad wird als Verkehrsmittel in Deutschland immer beliebter – so das Ergebnis des aktuellen Fahrrad-Monitors 2019. Satte 65 Prozent der Menschen hierzulande nutzen demnach gerne den Drahtesel, um sich fortzubewegen. Warum nicht also gleich, ganz auf das Velo umsteigen und damit beispielsweise auch größere Gegenstände transportieren? Wir haben uns in Mainz umgehört und gefragt, wer gerne das Lastenrad nutzt: Für den 32-jährigen Mediendesigner David ist sein Cargobike mehr als nur ein Transportmittel – es ist ein Statement für den Klimaschutz.

David, warum hast Du Dich dazu entschieden, ein Lastenrad zu nutzen?

Ich lebe schon seit dem Studium in der Mainzer Innenstadt. Ein Fahrrad ist hier total praktisch. Ich bin nie auf der Suche nach einem Parkplatz, was zu bestimmten Tageszeiten nämlich ziemlich anstrengend sein kann. Außerdem  spare ich mir dabei auch noch die Spritkosten für ein Auto. Und davon einmal ganz abgesehen: Ich bin jung und sportlich und genieße es einfach, an der frischen Luft Fahrrad zu fahren.

Hast Du Dein Auto zugunsten des Lastenrads abgeschafft?

Ja, als Berufseinsteiger bin ich noch Auto gefahren. Das war eigentlich vollkommen unnötig: Mein Arbeitsplatz liegt auch hier in Mainz und ist sogar beinahe fußläufig zu erreichen. Aber ihr wisst ja, wie junge Erwachsene so ticken – ich hielt es einfach für praktisch und ein Auto gab mir ein gutes Gefühl. Das sehe ich aber jetzt ganz anders.

Das heißt?

Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz liegen mir mittlerweile sehr am Herzen und haben die Entscheidung, das Auto abzuschaffen, stark beeinflusst. Anfangs bin ich noch viel Bus und Bahn gefahren und natürlich mit meinem Fahrrad. Sobald ich aber größere Gegenstände transportieren wollte, gab es oft Probleme – etwa bei einem Umzug. Da war das Auto schon sehr verlockend.

Vor einigen Jahren bin  ich dann zum ersten Mal auf Lastenräder aufmerksam geworden – also solche mit fest eingebauten Trageflächen oder Transportkoffern. Sie erinnerten mich sofort an die indische Fahrradrikscha und sahen einfach super praktisch aus. Die Entscheidung war also klar: Ich verkaufe mein Auto und lege mir selbst ein Lastenrad zu. Darüber bin ich auch heute noch sehr glücklich.

Was kann ein Lastenrad, was ein Auto nicht hat?

Wie bereits gesagt sind meine Spritkosten inzwischen gänzlich weggefallen. Darüber hinaus sind die Wartungskosten sehr gering. Ich bewege mich täglich im Straßenverkehr und das vollkommen klimaneutral. Wo Autofahrer noch verzweifelt nach einem Parkplatz suchen, bin ich schon mit meinem Einkauf fertig. Wo sind die Nachteile? –  wäre da meine Gegenfrage: Es gibt keine!

Was transportierst Du mit deinem Lastenrad? 

Ich nutze das Rad fast täglich für sämtliche Einkäufe und Besorgungen, die ich damit alle sicher nach Hause transportieren kann. Manchmal fahre ich am Wochenende auf Picknickausflüge mit meiner Familie oder möchte auch gerne mal einen Kasten Bier zum Grillen bei Freunden mitbringen – alles kein Problem. Einmal habe ich sogar einem Freund beim Umzug geholfen und war selbst überrascht, was sich alles befördern lässt.

Ist dein Lastenrad wartungsintensiv?

Das Lastenrad ist tatsächlich nicht wesentlich wartungsintensiver als ein normales Rad. Bremsen, Pedale, Reifen – da gibt es kaum einen großen Unterschied. Natürlich sollte man aber darauf achten, dass die Tragefläche fest am Rad montiert ist und etwaige Lichter an der Tragefläche auch richtig funktionieren. 

Glaubst Du, Lastenräder sind bloß ein Trend oder haben langfristig Potenzial?  

Ich habe manchmal leider das Gefühl, dass sich in Deutschland nur sehr langsam etwas tut. Immer mehr Menschen greifen zwar im Vergleich zu früher häufiger zum Fahrrad als zum Auto. Das würde ich auf das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zurückführen. Trotzdem gibt es für die Politik noch einiges zu tun!

Ich lese jedes Jahr die Verkehrsunfallstatistik des Verkehrsministeriums. Fahrradfahrer sind offensichtlich im Straßenverkehr noch sehr benachteiligt. Besonders die Innenstädte sind, im Hinblick auf gut nutzbare Fahrradwege, oft nur sporadisch ausgebaut. Mit dem Lastenrad braucht man ein bisschen mehr Platz als mit dem Fahrrad, ist dabei aber gleichzeitig ein schwächerer Verkehrsteilnehmer als ein Autofahrer.

Lastenräder haben meiner Meinung nach ein großes Potenzial, die Verkehrswende voranzubringen; aber nur, wenn auch für mehr Sicherheit auf den Straßen gesorgt wird.

Was hältst Du von politischen Mitteln wie Kaufprämien für Lastenräder wie für E-Autos?

Kaufprämien sind eine tolle Sache. Der Staat sollte noch viel mehr solcher Angebote subventionieren, um den Kauf attraktiver zu machen und die Verkehrswende dadurch voranzutreiben.

 

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