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Interview In Der FAZ Mit Gunter Greiner Tritt Lawine/Branchendiskussion Los

Interview in der FAZ mit Fonds Advisor Gunter Greiner tritt wichtige Branchen Diskussion los

Wenn Sie sich für grüne Geldanlagen interessieren, sind Sie wahrscheinlich in den vergangenen Tagen auf einen Artikel von FAZ-Redakteur Mark Fehr gestoßen, der am 4. April unter dem Titel „Fast alle nachhaltigen Fonds sind Mogelpackungen“ veröffentlicht wurde. https://www.faz.net/-iju-aa6p7 Basis dieses Artikels war ein langes und detailliertes Interview, das Mark Fehr in der Woche zuvor mit mir geführt hatte.

Was sind tatsächlich grüne Geldanlagen?

Auf Branchenseite und in den sozialen Netzwerken hat dieser Artikel eine Welle von überwiegend positiven, aber auch vereinzelten negativen Reaktionen ausgelöst. Das zeigt, dass hier ein Nerv getroffen wurde. Aber selbst für Spezialisten scheint meine Kritik an einem Teil der Branche und unser Ansatz bei WIWIN nicht selbsterklärend zu sein. Um darauf genauer einzugehen und um einigen wilden Spekulationen entgegenzutreten, freue ich mich, in meiner Kolumne dieses extrem wichtige Thema einmal umfangreich zu beleuchten.

In der Hauptsache geht es um zwei Kernfragen: Was sind tatsächlich grüne Geldanlagen und welche Aktienfonds sind möglicherweise nur grün “angestrichen”? Und dürfen wir von WIWIN offensichtliche Missstände im Bereich der “nachhaltigen Geldanlage” klar und deutlich ansprechen, auch wenn wir Marktteilnehmern damit möglicherweise auf die Füße treten?

Lassen Sie mich mit der letzten Frage beginnen:  Natürlich dürfen wir das und wir müssen es sogar – denn nur so ändert sich etwas! Als ich Ende 2019 begann mit Matthias Willenbacher, dem Energiewende-Pionier und Gründer von WIWIN, über das Konzept eines wirklich grünen Aktienfonds mit positivem Einfluss auf die Umwelt zu diskutieren, mussten wir schnell feststellen: Es gibt zwar schon eine Handvoll gut gemanagter grüner Fonds, aber niemand verfolgt einen so konsequenten und tiefgehenden grünen Ansatz, wie wir uns das für die Kunden von WIWIN wünschen.

Deshalb haben wir einen komplett neuen Investmentansatz entwickelt, der sich eben stark von anderen Ansätzen unterscheidet. Das heißt nicht, dass wir die Handvoll guter grüner Anbieter, die leider bisher ein Nischendasein fristen, in irgendeiner Weise kritisieren wollen – bis dato haben wir diese auf Nachfrage von Freunden und Bekannten ja selbst noch als beste Alternative zu traditionellen Aktienfonds empfohlen. Der Investmentmarkt ist riesig und grüne Investments – vor allem wirklich grüne Investments – sind nach wie vor leider nur ein winziger Teil des Marktes. Und obwohl ich überzeugt bin, dass jeder kleine Trippelschritt der Großbanken, Versicherungskonzerne und Fondsriesen in Richtung Nachhaltigkeit besser ist, als sich überhaupt nicht um das Thema zu kümmern, so sträuben sich bei mir die Nackenhaare, wenn ich sehe, welche Aktien sich in den meisten „grünen“ Fonds befinden.

Berechtigte Branchen Kritik

Meiner Meinung nach muss auch ein “traditioneller” Fondsmanager heutzutage Nachhaltigkeitskriterien bei jeder seiner Anlageentscheidungen berücksichtigen – und zwar nicht, weil es die Aufsichtsbehörden irgendwann vorschreiben, sondern weil dies ein integraler Bestandteil der Treuepflicht gegenüber seinen Kunden ist. Allein aus Risiko- und Ertragsgesichtspunkten sind Nachhaltigkeitskriterien zwingend zu berücksichtigen, beispielsweise um die Anleger vor Verlusten zu bewahren, deren Gelder in Kohleminen gesteckt werden, die Kohle allerdings nie aus dem Boden geholt werden darf, weil sonst unser Klima kollabiert.

Ich bin erleichtert, dass diese Erkenntnis nur 22 Jahre nach Verabschiedung des Kyoto-Protokolls nun auch an der Wallstreet und in den Frankfurter Bankentürmen angekommen ist. Nur weil man diese Kriterien unter vielen anderen jetzt bei der Anlageentscheidung berücksichtigt, managt man aber noch lange keinen grünen oder nachhaltigen Fonds – aber genau das wollen uns die Marketingabteilungen der Finanz-Giganten so verkaufen.

Echte Nachhaltigkeit versus PR-Mantra

Denn mit bestimmten Argumentationsketten kann man wirklich alles mit dem Label “Nachhaltigkeit” versehen: Eine Ölgesellschaft, die kein Fracking betreibt und in der Arktis “nur” mit Doppelhüllentankern unterwegs ist; einen traditionellen Autobauer, der nun auch Elektroautos verkauft; ein Sportschuhgigant, der ein einzelnes Modell anbietet, das aus Meeresplastik gefertigt ist; ein Energiekonzern, der neben seiner Braunkohlegrube einen Windpark baut.

Das berühmte PR-Mantra „tue Gutes und sprich darüber“ ist die Essenz der Nachhaltigkeitsberichte der großen Konzerne. Doch obwohl jede kleine oder sogar größere Verbesserung besser ist als der Status Quo, kann dies unserer Meinung nach nicht die Grundlage sein, um einen wirklich grünen Fonds zusammen zu stellen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, das können mitunter großartige Unternehmen sein, die echte Vorreiter in ihrer Branche sind und mit denen gute Fondsmanager ein exzellentes Aktienportfolio zusammenbauen können. Aber warum wird es dann als nachhaltiger Fonds verkauft? Vor allem „best in class“ Fonds, bei denen von mehreren Alternativen in einem Sektor immer die „grünste“ genommen wird, sind besonders zu hinterfragen: Warum ist ausgerechnet die Energiefirma, dessen Ölplattform gerade in den Nachrichten bildschirmfüllend explodiert, enthalten. Oder der Nahrungsmittelkonzern, bei dem gerade die Umweltschutzorganisation zum Boykott aufgerufen hat, weil für deren Palmölbedarf in Indonesien die letzten Regenwälder gerodet werden.

Produkte, die diese Firmen enthalten, sind nun mal Mogelpackungen, wie ich es im Beitrag der FAZ gesagt habe.

Wie der Investmentansatz von WIWIN bei unserem grünen Fonds aussieht und was wir besser machen wollen, als der Teil der Branche, den wir kritisieren, lesen Sie in meiner kommenden Kolumne, die bereits am Dienstag erscheinen wird.

Ihr Gunter Greiner

Head of Investments & Portfolio Management

 

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