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Energiewende in der Stadt: Das Mieterstrommodell, seine Herausforderungen und Lösungsansätze

Läuft man durch die Straßen deutscher Städte, sieht man wenige bis keine erneuerbaren Energieanlagen. Dabei werden Ausbauziele definiert und komplizierte Einzellösungen für einzelne Quartiere umgesetzt, doch dass Deutschland so die selbst gesteckten Klimaziele nicht erreicht, ist längst schon kein Geheimnis mehr. Dabei zieht es immer mehr Menschen vom Land in die Städte[1] – und da ist die Frage nicht fern, warum die Energiewende in entgegengesetzter Richtung zur Urbanisierung verläuft. Es ist Fakt, dass die Energiewende heute primär auf dem Land stattfindet. So liegt der Anteil der Haushalte in ländlichen Regionen, welche beispielsweise Photovoltaik-Anlagen (kurz PV-Anlagen) nutzen, dreimal so hoch wie bei Haushalten in Städten[2].

Der Kohleausstieg fällt schwer, der Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge nimmt währenddessen zu. Die Energie muss dafür über weite Entfernungen transportiert werden, was in vielen Fällen zur Folge hat, dass Investitionen in die Netzinfrastruktur nötig werden. Diese Investitionen finanzieren alle Stromkunden mittels steigender Netzentgelte, welche bereits heute der größte Bestandteil des Strompreises sind [3].

Warum nutzen wir also nicht die brachliegenden Dachflächen von Mietshäusern in den Städten für lokale Stromerzeugung mit Photovoltaik-Anlagen?

Wenn Strom dezentral auf Mietshäusern erzeugt und direkt vor Ort an die Mieter geliefert und verkauft wird spricht man von Mieterstrom. Für die Mieter heißt das in der Praxis, dass sie zumindest einen Teil ihres Stroms als echten Ökostrom zu Preisen unterhalb des normalen Stromtarifs beziehen können. Der Preisnachlass ist möglich, weil die Netzentgelte, d.h. die Gebühren für den Transport des Stroms durch das öffentliche Stromnetz, eingespart werden können. Vermieter können durch ein solches Modell den Wert ihrer Immobilie erhöhen und gleichzeitig noch eine zusätzliche Marge erwirtschaften, indem sie für die Nutzung ihrer sonst brachliegenden Dachfläche eine Pachtzahlung erhalten. Auf den ersten Blick also eine Win-Win-Win-Situation, denn das Klima profitiert neben Mietern und Vermietern natürlich ebenfalls

Aber warum werden Mieterstrom-Konzepte, die viele Vorteile vereinen, nur vereinzelt umgesetzt?

Die ernüchternde Antwort lautet, wie so häufig, dass die aktuellen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen solche Modelle, für Vermieter nur sehr schwer möglich machen. Für den Betrieb der PV-Anlagen müssten Vermieter die rechtlichen Pflichten eines Stromlieferanten erfüllen, eigene Kundenakquise und -service betreiben, sowie sämtliche Meldepflichten gegenüber Verteilnetzbetreibern, Bundesnetzagentur und weiteren Behörden übernehmen. Zuletzt sind gewerbesteuerliche Auflagen ein Hindernis. Nicht überraschend, dass vor diesem Hintergrund viele Vermieter die Implementierung eines solchen Modells scheuen[4].

Darüber hinaus gibt es für solche Vorhaben Förderungen – zum Teil sogar auf Bundesebene. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz KfW) vergibt beispielsweise in verschiedenen Ausprägungsstufen Förderungen für energieeffizienten Neubau. Sie regt private Bauherren an, ihre Mehrparteiengebäude mit Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien zu versorgen sowie Stromflüsse zu visualisieren. Im Gegenzug gibt es attraktive Förderungen, mit denen die Baukosten erheblich gesenkt werden. Von dem ausgerufenen Fördervolumen wird momentan jedoch nur etwas über 1% abgerufen[5]. Von den 370.000 Mehrparteiengebäuden in Deutschland, die theoretisch mit Mieterstrom versorgt werden könnten, wird momentan nur ein verschwindend geringer Anteil an Mietswohnungen mit Solarstrom vom eigenen Dach versorgt[6]. Zwar fördert die Bundesregierung solche Vorhaben finanziell, jedoch erschweren die aktuellen Rahmenbedingungen einen flächendeckenden Einsatz dieses Modells immens. Die Lösung hierfür sind somit hoch spezialisierte Dienstleister, die vom Anlagenbau über die Abrechnung der Verbräuche bis hin zur lückenlosen Versorgung der Mieter mit Ökostrom alles für die Vermieter übernehmen. Aufgrund der genannten komplexen Herausforderungen und der bisher geringen Marktgröße scheuen sich die Big Player der Energiewirtschaft vor dem Eintritt in dieses Marktsegment, was die Tür für junge und innovative Unternehmen öffnet.

Ein solcher Anbieter ist das Kölner Unternehmen EINHUNDERT Energie. Seit mehr als zwei Jahren positioniert sich die Firma als Vorreiter für solaren Mieterstrom in Kombination mit digitaler Energiekostenabrechnung. Das Unternehmen installiert und betreibt bundesweit PV-Anlagen auf urbanen Mehrparteiengebäuden zusammen mit digitaler Zählertechnik für die Erfassung der Stromflüsse. Über eine eigene Software und App visualisiert EINHUNDERT Energie die Stromverbräuche im Gebäude und rechnet den monatlichen Verbrauch je Wohneinheit in Echtzeit ab. Mieter haben dadurch Zugang zu sauberem, günstigem Strom und, vor allem, zahlen nie wieder nach. Die Software und Abrechnungslösung der Firma ermöglicht zusätzlich die digitale und transparente Abrechnung von Wärme- und Wasserverbräuchen.

Die Kombination aus PV-Anlagen, digitaler Zählertechnik und Software zur Visualisierung und Abrechnung der Verbräuche, ermöglicht es Bauherren außerdem, Förderungen der KfW von bis zu 30.000 € Tilgungszuschuss je Wohneinheit zu sichern. Für eine solche Förderung ist eine Komplettlösung wie die des Kölner Unternehmens sogar Pflicht.

[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/_inhalt.html
[2] https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Energiewendebarometer/KfW-Energiewendebarometer-2018.pdf
[3] https://www.verivox.de/strom/themen/strompreiszusammensetzung/
[4] https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/mieterstrom-solarenergie-101.html
[5] https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/mieterstrom-solarenergie-101.html
[6] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-mieterstrom-flop-wirtschaftsministerium-raeumt-nachbesserungsbedarf-ein/24869686.html?ticket=ST-1935901-cbkspv55eTiLaHepYcbQ-ap2

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