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Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland, welche unter anderem für die Zulieferung von Ökostrom sorgen, steigt mehr und mehr an. Doch auch bei Ökostrom-Anbietern gibt es starke Unterschiede.

Als Ökostrom wird Strom aus erneuerbaren Energien wie Windenergie, Bioenergie, Solar- oder Wasserkraft oder Geothermie bezeichnet. In Deutschland ist der Begriff rechtlich nicht geschützt. Daher gibt es keine offiziell festgelegten Kriterien, obgleich der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) zumindest eine kleinere Eingrenzung vornimmt. Dieser Definition zufolge muss Ökostrom zur Hälfte aus erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) bestehen.

Ökostrom in Deutschland

Aktuelle Daten belegen, dass die Entwicklung zur Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland positiv zu beurteilen ist. So lag der Anteil erneuerbarer Energien am Nettostromverbrauch 2019 bei 46,1 Prozent, was einem prozentualen Wachstum von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 2020 konnten weitere Rekordwerte und ein besonderer Meilenstein im Vergleich zu nicht-erneuerbaren Energiequellen verzeichnet werden.

Der Jahresdurchschnittswert des Anteils erneuerbarer Energien lag bei 50,5 Prozent und überholte damit erstmals konventionelle Energiequellen [1]. Ein Viertel der gesamten Nettostromerzeugung in Deutschland ist auf Windenergie zurückzuführen, weiterhin ist ein Wachstum des Anteiles von Photovoltaik-Anlagen zu verzeichnen. Faktisch führte der Trend zum Ökostrom sogar zu der Etablierung einer neuen Branche, berichtete unser Experte Felix Auspurg hier.

EEG-Novelle: Veränderte Richtlinien ab 2021

Dennoch sind die neuen Richtlinien des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2021 tendenziell eher enttäuschend für den Klimaschutz. Die neuen Regelungen zu Windkraft und PV-Anlagen sind zu komplex, um eine echte Verbesserung zu bewirken. Unser Experte Felix Auspurg sieht lediglich die neuen Regulierungen für den Eigenverbrauch für Strom kleiner Solaranlagen als effektiv an.

Zudem machen die Neuerungen im Mieterstrom einen echten Unterschied für innovative Unternehmen wie EINHUNDERT Energie, die die Energiewende zu den Bürgerinnen und Bürgern bringen wollen. Im Großen und Ganzen bremst das Gesetz die Energiewende aber eher ab, statt sie nachhaltig zu stärken. Den ganzen Artikel zur EEG-Novelle finden Sie hier.

Klar ist: Es braucht Ökostrom-Anbieter, die die Klimakrise ernst nehmen und die Potenziale erneuerbarer Energien erkennen und anwenden. Die Bundesregierung positioniert sich nur wenig für die Energiewende und trifft keine ausreichenden Beschlüsse, die eine wirkliche Veränderung schaffen. Zusätzlich führt eine fehlende festgelegte Definition des Begriffes Ökostrom dazu, dass nicht jeder Ökostrom-Anbieter wirklich reinen Ökostrom verkauft.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Viele Ökostrom-Anbieter betreiben neben Ökostromanlagen zusätzlich konventionelle Anlagen, welche Energie durch fossile Kohlekraft beziehen. Es kann also nicht als effektiver Beitrag zur Energiewende bezeichnet werden, wenn Bürger diese Anbieter bezahlen und damit direkt auch Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke finanzieren.

Weiterhin haben Anbieter die Möglichkeit, Herkunftsnachweise (HKN) anzukaufen. Diese Kennzeichnungen machen deutlich, ob es sich um ganzen oder teilweisen Ökostrom handelt. Eine vollständige Transparenz ist für den Verbraucher jedoch auch hier nicht gegeben. So besteht keine Unterscheidung zwischen den Energiequellen und den Produktionsbedingungen der erneuerbaren Energien. Umweltfreundliche KWK-Anlagen werden mit älteren Anlagen gleichgestellt, obwohl sich der Standard stark unterscheidet. Teilweise wird Strom dem ENTSO-E-Energieträgermix zugeordnet, was die tatsächliche Herkunft des Stroms verschleiert.

Bei der Wahl Ihres Ökostrom-Anbieters müssen Sie daher dringend darauf achten, wo der Strom wirklich herkommt und ob beispielsweise vertrauenswürdige Labels auf reinen Ökostrom schließen lassen. Überprüfen Sie, ob der Anbieter mit Konzernen oder anderweitigen fossilen Energiequellen kooperiert oder Investitionen eingeht. Basierend auf Nachhaltigkeitskriterien können wir Ihnen beispielsweise die folgenden Anbieter empfehlen:

Naturstrom: Unabhängiger Ökostrom aus der Region

Der Anbieter Naturstrom überzeugt durch eine klare Positionierung für erneuerbare Energien und gilt als der erste unabhängige deutsche Anbieter für reinen Ökostrom. Es bestehen direkte lokale Kooperationen in Deutschland und Österreich mit Städtetarifen in 24 deutschen Städten. So ermöglicht das Unternehmen eine dezentrale Energieversorgung mit Verzicht auf fossile und atomare Brennstoffe, die der Umwelt schaden. Die Tarife stärken die regionale Wirtschaft und fördern gleichzeitig den Bau neuer Anlagen in Ihrer Region. Diese sorgen für die Sicherung neuer Arbeitsplätze, wodurch Naturstrom einen direkten Einfluss auf die Gesellschaft und das Leben der Bürger vor Ort hat.

Das Konzept entlastet zudem Stromnetze und macht neue Stromtrassen überflüssig – denn Naturstrom nutzt ausschließlich Ökostrom, Wärme und E-Mobilität und bringt durch den dezentralen Ansatz Verbraucher und Erzeuger näher zusammen. So muss der Strom nicht über weite Distanzen mittels neuer Hochspannungsleitungen transportiert werden.

In 20 Jahren errichtete der Anbieter 300 Öko-Kraftwerke und setzte bereits 60 Wind-, PV- und Biogasprojekte um. Auch engagiert sich das Unternehmen für die Stärkung der Energiewende in Entwicklungsländern. So wurden in Bangladesch 3000 Photovoltaikanlagen (Solar-Home-Systeme) finanziert, um benachteiligte Familien zu unterstützen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Bürgerwerke: Energiewende für eine enkeltaugliche Welt

Bürgerwerke ist die größte erneuerbare, regionale, unabhängige Energieversorgungsgenossenschaft in Deutschland. Nach dem Motto „Menschen haben Enkelkinder – Energiekonzerne nicht“ hat Bürgerwerke das Ziel, eine dezentrale Energieversorgung gemeinsam mit Bürgern für eine nachhaltige Zukunft zu erzielen. Ziel ist eine Belieferung aller Kunden mit Ökostrom, welcher ebenfalls ausschließlich regional produziert wird.

Durch unsere Crowdinvesting-Kampagne konnten sich Privatanleger bereits vor einiger Zeit an dem Unternehmen beteiligen und die bürgernahe Energiewende fördern. Erfahren Sie hier mehr darüber, wie Ihr Investment eingesetzt wird und welche spannenden Neuigkeiten wir zu berichten haben.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Weitere Ökostrom-Anbieter sind beispielsweise:

  • Enyway GmbH
  • Grün.power
  • Greenpeace Energy
  • Polarstern Energie
  • Mann Strom
[1] https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&c=DE&year=2020&interval=year

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