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Weltretten im Alltag: 20 Tipps, mit denen jeder einen Beitrag zum globalen Umweltschutz leisten kann

Schon Gustav Heinemann wusste: Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte. Mit Blick auf die drängendste Herausforderung unserer Zeit, die Klimakrise, erscheint das vielbeachtete Zitat noch einmal in einem ganz neuen Licht. Existenzielle Fragen sind Grundlage des täglichen wissenschaftlichen und politischen Diskurses geworden, und in einer Sache ist man sich einig: Viel zu lange ist viel zu wenig geschehen. Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene sowie über sämtliche relevanten Wirtschaftssektoren hinweg bestehen unzählige Möglichkeiten der Einflussnahme auf die klimatische Entwicklung. Ob im Kleinen oder im Großen: Halten Sie es mit Heinemann, liebe Leserinnen und Leser. Schaffen Sie Veränderung, um den Verlust unseres wichtigsten Guts abzuwenden: unserer Lebensgrundlage, unserer Heimat, unserer Erde.

Climate Labs: Ausgleich des eigenen CO2-Fußabdrucks

Immer mehr Unternehmen stellen sich ihrer ökologischen Verantwortung und streben nach Klimaneutralität. So ist auch WIWIN bereits seit Juni 2019 offiziell klimaneutral – zertifiziert durch ClimatePartner. Doch wie steht es mit Ihrer eigenen Klimabilanz? Auch durch eine gänzlich umweltbewusste Lebensweise lassen sich CO2-Emissionen vielfach nicht vermeiden. Ein klimaneutrales Leben zu führen, ist ohne die Inanspruchnahme von Kompensationstools (noch) nicht möglich, wie das Wissenschaftsmagazin Quarks erläutert. Das Berliner Startup Climate Labs schafft Abhilfe: Über die Klimaschutz-App können Nutzerinnen und Nutzer ihren persönlichen CO2-Fußabdruck anhand von Konsum-, Fortbewegungs- und Ernährungsgewohnheiten berechnen und durch monatliche Spenden kompensieren. 70 Prozent des gezahlten Geldes werden wahlweise für die Aufforstung von Wäldern oder die Errichtung von Photovoltaikanlagen in der Wüste verwendet; mit den verbleibenden 30 Prozent werden laufende Kosten gedeckt und mediale Kampagnen finanziert.

Josera go eco2: Klimaneutrales Tierfutter

In deutschen Haushalten leben zurzeit etwa 10,1 Millionen Hunde und 14,7 Millionen Katzen. Damit verfügt Deutschland über die zweithöchste Anzahl an Haustieren innerhalb Europas – noch mehr tierische Mitbewohner sind lediglich in russischen Haushalten anzutreffen. Doch die geselligen Vierbeiner haben ihren ökologischen Preis: Wie die Schweizer Firma für Ökobilanzierung ESU-Services in einer Studie errechnete, verursacht die Nahrungsversorgung eines Hundes jährlich etwa so viel CO2 wie eine 3700 Kilometer lange Autofahrt. Katzenbesitzer können mit der Mehrbelastung einer hypothetischen Autofahrt über eine Entfernung von 1400 Kilometern rechnen. Da es sich bei Hund und Katze bekanntermaßen um Karnivoren handelt, entsteht der Großteil der Emissionsbelastung im Rahmen der Produktion des Tierfutters. Um die Klimabilanz zumindest ein wenig zu verbessern, empfiehlt es sich, auf einen Anbieter zu setzen, der ausschließlich für den Menschen nicht genießbare Tierprodukte verwertet. Der Futtermittelhersteller Josera geht noch einen großen Schritt weiter: Mit der Initiative go eco2 kompensiert das Unternehmen in Zusammenarbeit mit myclimate sämtliche entstehenden CO2-Emissionen – von der Rohwarenproduktion bis zur Produktlieferung an den Kunden. Alle Bestellungen über den Online-Shop erfolgen damit vollständig klimaneutral. Aufgrund des vorbildlichen Engagements und der überzeugenden Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesamtunternehmen ist Josera unter anderem für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 nominiert.

Tomorrow: Mobiles Girokonto mit grünem Impact

Der im Jahre 2018 gegründete Finanzanbieter Tomorrow verbindet die Vorzüge aus Nachhaltigkeits- und Digitalbranche: Das Jungunternehmen aus Hamburg bietet umfassende Möglichkeiten mobilen Bankings und setzt zugleich vollumfänglich auf ökologische Verantwortung. Kein Cent fließt über Tomorrow in Rüstung, Kohlekraft und dergleichen; finanziert werden ausschließlich nachhaltige und soziale Projekte. Manch einer mag sich fragen: Nachhaltige Banken – gab es die nicht schon vorher? Und tatsächlich bemühen sich auch Anbieter wie die GLS Bank oder die Triodos Bank um ökologisch-verantwortungsvolle Standards. Doch nur Tomorrow ermöglicht ein konsequent digitales Banking-Erlebnis. So ist ausnahmslos alles über die App des Fintechs steuerbar. Tomorrow gilt daher als erste nachhaltige Smartphone-Banking-App innerhalb Deutschlands.

Ecosia: Die Suchmaschine, die Bäume pflanzt

Ecosia – die ökologische Suchmaschine ist alles andere als ein Geheimtipp. Nahezu jeder hat schon einmal von ihr gehört. Doch die klassische Google-Nutzung tatsächlich konsequent durch die umweltfreundliche Alternative zu ersetzen, fällt vielen schwer. Zu groß ist häufig noch die Macht der Gewohnheit. Dabei lohnt sich der Umstieg: Bei jeder Websuche über Ecosia generiert das Unternehmen Einnahmen durch Suchanzeigen und verwendet etwa 80 Prozent des Gewinns, um Bäume in 15 verschiedenen Ländern der Erde zu pflanzen. Auch werden die genutzten Server ausschließlich mithilfe erneuerbarer Energien betrieben. Die Qualität der Suchergebnisse ist hoch; Ecosia nutzt sowohl eigene Algorithmen als auch die Suchmaschine von Bing. In Zeiten des globalen Waldsterbens und der verheerenden Buschfeuer stehen die über 109 Millionen Bäume, die mit Hilfe von rund 15 Millionen aktiven Nutzern aus aller Welt bereits gepflanzt wurden, für Hoffnung und Tatkraft. Ecosia ist damit mehr als CO2-neutral, denn die Bäume entziehen der Atmosphäre CO2 und bilden die Basis für ein intaktes Ökosystem.

SIRPLUS & Too Good To Go: Weniger Lebensmittelverschwendung

Noch immer werden einer WWF-Analyse zufolge jährlich rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel hierzulande ungenutzt entsorgt – davon 52 Prozent in privaten Haushalten. Hierdurch werden nicht nur kostbare Ressourcen verschwendet, sondern auch beachtliche Mengen an CO2 freigesetzt. Pro Kilo produzierter Nahrung gelangt ausweislich der UN-Welternährungsorganisation etwa ein Kilo CO2 in die Atmosphäre. SIRPLUS und Too Good To Go sind zwei Startups, die der Wegwerfmentalität den Kampf angesagt haben. SIRPLUS bringt überschüssige Lebensmittel durch den Verkauf in eigenen sog. Rettermärkten sowie über einen Onlineshop zurück in den Wertekreislauf und wirkt so der Lebensmittelverschwendung aktiv entgegen. Too Good To Go informiert seine Nutzer mit Hilfe einer App darüber, in welchen Restaurants kurz vor Ladenschluss noch Essen übrig ist. Dieses kann für einen geringen Preis reserviert und vor Ort abgeholt werden. Beide Jungunternehmen erfreuen sich großer Beliebtheit und treffen in ihrem Bestreben den Nerv der Zeit.

One For The Planet

„Wenn jeder Mensch auf der Welt bloß einen Euro gäbe…“ – kommt Ihnen dieses Gedankenspiel bekannt vor? Früher oder später – meist schon in jungen Jahren – denkt fast jeder von uns einmal darüber nach, was sich an positiver Veränderung bewirken ließe, wenn jeder Mensch sich mit einem Euro daran beteiligte. So kindlich dieses Gedankenexperiment bisweilen anmutet, so richtig und wichtig ist es doch, um das Potenzial menschlicher Zusammenschlüsse zu begreifen. Obgleich die Veränderungskraft eines einzelnen Menschen nie unterschätzt werden sollte, gelingen große Vorhaben in aller Regel nun einmal nur durch das Zusammenwirken vieler. Hier setzt der gemeinnützige Verein One For The Planet an: Jeder Unterstützer beteiligt sich monatlich mit genau einem Euro an der Förderung nachhaltiger Projekte. Zur Auswahl stehen stets drei unterschiedliche Umweltprojekte; entschieden wird über einen demokratischen Abstimmungsprozess. Der monatlich gezahlte Betrag des Einzelnen kann einen Euro selbstverständlich übersteigen, das überschüssige Geld fließt sodann in die tägliche Arbeit sowie den weiteren Aufbau des noch jungen Vereins.

Teal The World: Aller Anfang ist schwer

Mit grundlegenden Haltungs- und Handlungsänderungen zu beginnen, ist kein leichtes Unterfangen. Die Website Teal The World hält daher eine kleine Checkliste für ökologisches Handeln bereit. 17 konkrete Aufgaben sollen den Nutzer zur Änderung des eigenen Verhaltens motivieren und sein Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Alltag schärfen. Die ökologische Aufgabenliste enthält zwar keine wirklich überraschenden neuen Impulse, doch das ist auch gar nicht Ziel des Projekts. Veränderung beginnt stets im Kleinen – und manchmal muss man einfach anfangen. Übrigens: Das englische Adjektiv „Teal“ meint eine Farbe zwischen (Meeres-)Blau und (Natur-)Grün.

Nachhaltige Geldanlagen: Verbindung von ökonomischer und ökologischer Zielsetzung

Ökologisch verantworungsbewusstes Handeln ist zweifelsohne das Gebot der Stunde. Dennoch ist die Finanz- und hierbei speziell die Investmentbranche ein Bereich, in dem die Dringlichkeit der Klimakrise bislang wenig zu spüren ist. Nachhaltige Formen der Kapitalanlage werden ausweislich des aktuellen FNG-Marktreports zwar immer beliebter, doch machen sie insgesamt noch immer lediglich ein Anteil von 5,4 Prozent am Gesamtmarkt aus. Um den weit überwiegenden Anteil klimaschädlicher Geldanlageprodukte erheblich zu reduzieren und das Potenzial der Finanzbranche in Sachen Klimaschutz vermehrt zu nutzen, bedarf es eines breiten Umdenkens. Fragen Sie sich regelmäßig: Was passiert mit dem Geld, das ich investiere? Entspricht das Wertesystem hinter dem in Betracht kommenden Anlageprodukt meinen eigenen Vorstellungen von verantwortungsvollem Denken und Handeln? Treffen Sie eine wohlüberlegte Auswahl an Finanzprodukten, welche die klassischen Bewertungskriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Maßstäbe ergänzen. Mehr über aktuelle Zahlen und Entwicklungen der nachhaltigen Kapitalanlage erfahren Sie hier.

Replace Plastic: Die Macht der Verbraucher

Sie können das Gerede von der „Macht der Verbraucher“ nicht mehr hören? Verständlich! Allzu oft wird das Konsumverhalten des vielbeschworenen Ottonormalverbrauchers hochstilisiert zur Wunderwaffe gegen die Klimakrise. Dass eine derart gravierende globale Herausforderung mitnichten allein auf gesellschaftlicher Ebene zu bewältigen ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Dennoch: Gerade an Stellen im System, an denen jeder Einzelne Druck auf Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft auszuüben vermag, ist eine Beschleunigung des erforderlichen Wandels durchaus möglich. Hier setzt die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung prämierte App Replace Plastic an: Über das Smartphone lassen sich etwa im Supermarkt mit einem Klick Barcodes von Produkten scannen, deren Verpackung aus übermäßig viel nicht recyclebarem Plastik besteht. Der App-Betreiber übermittelt sodann automatisch eine Mail mit der Bitte um plastikärmere oder -freie Verpackung der Ware an den Hersteller. Ziel des Konzepts ist ein Änderungsimpuls von Seiten eben jener Hersteller – ob aus echtem Verständnis für die Problematik oder aus reiner Verärgerung über die regelmäßige Mailflut, sei einmal dahingestellt.

Recyclingpapier: Zu Unrecht verschmäht

Erinnern Sie sich noch an das tiefgraue Recyclingpapier, auf dem das mit Bleistift geschriebene Wort kaum lesbar war? Die ersten Recyclingpapiere aus den 80er und 90er Jahren wiesen ohne Zweifel noch erhebliche Qualitätsmängel in Optik und Haptik auf. Dieser Umstand ist vermutlich dafür mitverantwortlich, dass in privaten Haushalten noch immer wenig Öko-Papier verwendet wird. So besteht etwa nur jedes zehnte aller gekauften Schulhefte aus umweltfreundlich produziertem Papier – obgleich zwischen frischem und recyceltem Papier heute kaum noch ein Qualitätsunterschied festzustellen ist. Der Aufklärungs- und Handlungsbedarf ist groß, denn: Wir Deutschen sind zwar für das gewissenhafte Sammeln von Altpapier bekannt, doch gleichzeitig belegen wir weltweit den dritten Platz in Sachen Papierverbrauch. Vom Drucker- bis zum Klopapier verbraucht der deutsche Bürger laut Umweltbundesamt durchschnittlich gigantische 247 Kilo Papier pro Jahr. Und: Noch immer wird fast jeder zweite industriell gefällte Baum zu Frischfaserpapier verarbeitet. Höchste Zeit also, die eigenen Vorbehalte über Bord zu werfen und dem zu Unrecht gemiedenen Recyclingpapier eine neue Chance zu geben.

Jetzt sind Sie dran: Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass der vorliegende Artikel lediglich zehn der angekündigten 20 Tipps für nachhaltiges Handeln im Alltag bereithält. Da auch die beste Rechercheabteilung eines Unternehmens nie so gut sein kann wie das Wissen und die Ideen einer breiten Leserschaft, möchten wir Sie an dieser Stelle um Ihre Mithilfe bei der Ausgestaltung eines zweiten Beitragsteils bitten: Welchen konkreten Handlungsmaximen, welchen neuen (und alten) Konzepten, welchen innovativen Jungunternehmen messen Sie persönlich eine besondere Bedeutung für die gemeinschaftliche Bewältigung der Klimakrise bei?

Schreiben Sie an: fraenzel@wiwin.de (Lina Fränzel, Kommunikation & Public Relations)

Wir freuen uns auf Ihre Impulse!

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